4 mögliche Wege, um den Schulabschluss nachzuholen 

Es kann ganz unterschiedliche Gründe dafür geben, weshalb ein Schüler seinen Schulabschluss nicht geschafft hat. So können Probleme in der Familie oder im sozialen Umfeld genauso die Ursache sein wie Konflikte mit Mitschülern oder Schwierigkeiten mit Lehrern.

Häufige Umzüge kommen als Grund ebenso in Frage wie ein Schicksalsschlag, eine Krankheit oder eine Lernschwäche.

 

 

Es kann aber auch sein, dass der Schüler den Ernst der Lage nicht erkannt hat, keine Lust hatte, in die Schule zu gehen und zu lernen und es ihm schlichtweg egal war, ob er den Schulabschluss schafft oder ob nicht. Bei nahezu allen Ausbildungsberufen, die durch das Berufsbildungsgesetz geregelt sind, ist keine bestimmte schulische Bildung vorgeschrieben. Rein theoretisch ist für die meisten Ausbildungsberufe somit eigentlich kein Schulabschluss notwendig.

In der Praxis ist es ohne Schulabschluss jedoch so gut wie unmöglich, einen Ausbildungsplatz zu finden, und auch allgemein auf dem Arbeitsmarkt stehen die Chancen auf einen Job eher schlecht. Dennoch muss niemand resigniert aufgeben, denn es gibt mehrere Möglichkeiten, um seinen Schulabschluss auch nach dem eigentlichen Schulbesuch noch zu schaffen.

 

 

Vier mögliche Wege, um den Schulabschluss nachzuholen, zeigt die folgende Übersicht: 

 

1. Das Berufsvorbereitungsjahr und die berufsvorbereitende Bildunungsmaßnahme

Das Berufsvorbereitungsjahr, kurz BVJ, und die berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme, kurz BvB, sind zwei Möglichkeiten, die Schulabgängern einige Vorteile bieten. So werden im Rahmen dieser Maßnahmen normale Schulfächer wie Mathe oder Deutsch unterrichtet, wodurch sich die Schüler Basiswissen aneignen und vertiefen können.

Daneben bieten die Maßnahmen eine Orientierungshilfe für die Berufswahl und vermitteln den Schülern erste Kenntnisse und Fähigkeiten, die für die spätere Berufsausbildung notwendig sind. Dabei lernen die Schüler aber nicht nur die Theorie, sondern können ihr neues Wissen und Können aus dem Fachunterricht auch praktisch anwenden. Zudem können Schüler, die keinen Schulabschluss haben oder ihren Schulabschluss nur gerade so geschafft haben, ihren Hauptschulabschluss oder einen gleichwertigen Schulabschluss nachholen.

Beide Maßnahmen werden dabei flexibel gestaltet und jeweils auf die persönlichen Fähigkeiten und individuellen Bedürfnisse eines Schülers abgestimmt. Bildung ist in Deutschland aber Ländersache, so dass die Maßnahmen je nach Bundesland etwas unterschiedlich strukturiert sein und teilweise auch andere Bezeichnungen haben können.

Möchte der Schüler an einer Maßnahme teilnehmen, sollte er sich möglichst früh mit der Bundesagentur für Arbeit in Verbindung setzen.  

 

2. Die Nichtschülerprüfung

Die Nichtschülerprüfung bietet ein hohes Maß an zeitlicher Flexibilität. Wer nicht arbeitet und seinen Schulabschluss möglichst schnell nachholen möchte, kann den Unterricht tagsüber besuchen. Wer bereits eine Ausbildung absolviert oder arbeitet, hat die Möglichkeit, abends an den Kursen teilzunehmen.

In letzterem Fall wird dann von einer sogenannten Abendschule gesprochen. Durch die Nichtschülerprüfung kann der eigentliche Schulabschluss nachgeholt werden, möglich ist aber auch, einen höheren Schulabschluss zu erwerben, also die mittlere Reife oder das Abitur. Kleiner Nachteil an der Nichtschülerprüfung ist, dass diese in aller Regel aus eigener Tasche finanziert werden muss. Eine staatliche Förderung ist nicht vorgesehen. 

 

3. Die Fernschule

Auch in einer Fernschule ist es möglich, verschiedene Schulabschlüsse nachzuholen. Der große Vorteil bei einem Fernunterricht besteht darin, dass sich der Schüler seine Lernzeiten frei einteilen kann. Insofern ist ein Fernkurs ideal geeignet, wenn jemand neben der Arbeit in seiner Freizeit lernen möchte.

Sehr häufig sind Fernkurse dabei computergestützt aufgebaut, was bedeutet, dass der Schüler nicht nur anhand seiner Schulungsmaterialien lernt, sondern auch online Übungen und Aufgaben lösen und sich im Chat mit anderen Schülern austauschen kann.

Zudem steht ein Betreuer zur Verfügung, der die Lernfortschritte kontrolliert und bei Fragen weiterhilft. In vielen Fällen muss der Fernunterricht aber selbst finanziert werden. Hinzu kommt, dass ein Fernkurs ein hohes Maß an Selbstdisziplin erfordert.  

 

4. Die Berufsfachschule

In einigen Bundesländern besteht die Möglichkeit, zwei Jahre lang eine Berufsfachschule zu besuchen. Dabei erwirbt der Schüler nicht nur die berufliche Qualifizierung, sondern holt mit erfolgreichem Abschluss des ersten Jahres auch seinen Hauptschulabschluss nach. Bei guten Leistungen kann nach erfolgreichem Abschluss des zweiten Jahres dann auch die mittlere Reife nachgeholt werden.

Die Zugangsvoraussetzungen variieren zwischen den einzelnen Berufsfachschulen jedoch deutlich. Hinzu kommt, dass ein Ausbildungsplatz Grundvoraussetzung ist, um überhaupt eine Berufsfachschule besuchen zu können. Dafür hat der Schüler am Ende der Schulzeit aber sowohl seinen Schulabschluss als auch seine Berufsausbildung erfolgreich gemeistert.

Wer diesen Weg gehen möchte, kann seine Chancen durch die sogenannte Einstiegsqualifikation für Jugendliche, kurz EQJ, erhöhen. Diese Maßnahme wird von der Bundesagentur für Arbeit vermittelt und richtet sich speziell an Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Während der sechs- bis zwölfmonatigen EQJ absolviert der Teilnehmer ein betriebliches Praktikum. Dabei sammelt er zum einen erste Berufserfahrung und zum anderen besucht er die Berufsschule.

Durch gute Leistungen hat er Teilnehmer die Chance, seinen Betrieb zu überzeugen und einen Ausbildungsvertrag zu bekommen. Die EQJ wird auf die Ausbildung angerechnet und im Zuge der Ausbildung kann der Schüler dann seinen Schulabschluss über die Berufsschule nachholen. 

 

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