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Infos zum Stichwort “Inklusion”

 

Die einen setzen sich schon seit Jahren dafür ein und sehen es mit großer Freude, dass die Konzepte rund um das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung allmählich Gestalt annehmen. Die anderen sehen diese Entwicklung mit Skepsis und fürchten, dass eine angemessene Förderung der Kinder zu kurz kommen könnte.

Kaum ein anderes Bildungsthema löst derart hitzige Debatten aus wie die Inklusion. Dabei übersehen viele, dass die Inklusion nicht einfach nur eine Idee oder ein Ansatz, sondern ein Menschenrecht ist. Doch was bedeutet Inklusion eigentlich genau? Welche Vorteile kann das gemeinsame Lernen haben? Und wo lauern Gefahren?

 

Der folgende Beitrag erklärt die wichtigsten Infos zum Stichwort “Inklusion“:

 

Was bedeutet Inklusion?

Jeder kann von einer Behinderung betroffen sein. Einige sind von Geburt an behindert, bei anderen ist die Behinderung die Folge einer Erkrankung oder eines Unfalls im Laufe des Lebens. Manchmal zeigt sich eine Behinderung nur als kleines Handicap, manchmal führt eine Behinderung zu großen und für alle sichtbaren Einschränkungen.

Wie das Leben mit einer Behinderung verläuft, wird stark von der Gesellschaft beeinflusst, in der der Betroffene lebt. In Deutschland werden Menschen mit Behinderung tendenziell eher separiert. Sie können zwar in die Schule gehen, eine berufliche Tätigkeit ausüben und irgendwann ihr Elternhaus verlassen, um ihren eigenen Hausstand zu begründen.

Meistens ist die Schule aber eine Förderschule, der Arbeitsplatz befindet sich oft in einer Behindertenwerkstatt und die eigene Wohnung ist häufig Teil eines Heims oder einer betreuten Einrichtung. Hinzu kommen die unzähligen kleinen und größeren Hürden im alltäglichen Leben, angefangen bei hohen Bordsteinkanten über zu enge Türen und fehlende Aufzüge bis hin zu nicht-behindertengerechten Beschilderungen.

Die Inklusion ist eine Art Gegenkonzept dazu. Übersetzt bedeutet Inklusion soviel wie einbeziehen oder einschließen. Durch die Inklusion soll eine Gesellschaft entstehen, in der sich Menschen mit Behinderung nicht irgendwie mit den Gegebenheiten arrangieren müssen, sondern in der die Gegebenheiten die Bedürfnisse von behinderten Menschen berücksichtigen.

Letztlich geht es also darum, eine Chancengleichheit herzustellen, so dass alle Menschen, egal ob behindert oder nicht, gleichermaßen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Dies fängt damit an, dass öffentliche Plätze behindertengerecht gebaut werden, und endet damit, dass Menschen mit Handicap aus keinem Bereich des alltäglichen Lebens ausgeschlossen werden.

 

Wie wird die Inklusion an Schulen umgesetzt?

Die hitzigen Debatten zum Thema Inklusion lassen manchmal den Eindruck entstehen, dass es sich bei der Umsetzung der Inklusion um etwas handelt, das jeder handhaben kann wie er will. Tatsächlich hat sich Deutschland aber dazu verpflichtet, die Chancengleichheit für Menschen mit Handicap sicherzustellen.

Dies erfolgte 2009 im Rahmen der UN-Behindertenrechtskonvention, in der die Inklusion als Menschenrecht festgelegt ist. Damit leitete die UN-Behindertenrechtskonvention einen grundlegenden Wechsel im Umgang mit Behinderungen ein.

Während bis dahin die Fürsorge ganz klar im Vordergrund stand, zielt die UN-Behindertenrechtskonvention darauf ab, gleiche Chancen und eine Begegnung auf Augenhöhe zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen zu ermöglichen. Von den 193 Staaten der Welt haben 133 Länder die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben.

Wie die Inklusion im deutschen Bildungswesen umgesetzt werden soll, ist bislang aber nicht konkret festgelegt. Die Kultusministerkonferenz hat zwar Empfehlungen zum gemeinsamen Lernen ausgesprochen. Weil das Bildungswesen in Deutschland aber Ländersache ist, bleibt es den Bundesländern überlassen, wie sie die Empfehlungen und die Inklusion im Allgemeinen umsetzen.

In Deutschland leben rund 500.000 Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf, wie es im Fachjargon der Behörden heißt. Die meisten dieser Schüler besuchen eine Förderschule. Ihren Bildungsweg gehen deutsche Kinder anfangs noch recht oft gemeinsam. So besuchen etwa 60 Prozent aller Kinder mit Handicap zusammen mit gesunden Kindern die Kita und den Kindergarten. Schon in der Grundschule sinkt sich der Anteil auf gut die Hälfte.

An weiterführenden Schulen halbiert sich der Anteil noch einmal, hier nehmen nur noch rund 15 Prozent aller Kinder mit Handicap zusammen mit ihren nichtbehinderten Altersgenossen am Unterricht teil. Große Unterschiede gibt es außerdem zwischen den einzelnen Bundesländern. Während beispielsweise in Schleswig-Holstein fast die Hälfte der behinderten Kinder zusammen mit Kindern ohne Handicap eine Regelschule besucht, sind es in Niedersachsen nicht einmal zehn Prozent.

 

Welche Vorteile hat die Inklusion?

Das gemeinsame Lernen hilft allen Beteiligten, Ihre Potenziale zu erkennen und zu entfalten. Studien haben gezeigt, dass viele Kinder mit Handicap in einer Regelschule bessere Leistungen erbringen als in einer Förderschule. Auch nichtbehinderte Kinder, die eher durchwachsene oder schlechte Leistungen erbringen, profitieren vom gemeinsamen Unterricht.

Bei der Inklusion geht es aber nicht nur um die Leistungen und die Lernfortschritte. Ein mindestens genauso wichtiger Aspekt sind gesellschaftliche Werte und soziale Kompetenzen. So fördert das gemeinsame Lernen die Toleranz, die Hilfsbereitschaft und das Verantwortungsgefühl. Außerdem werden Berührungsängste zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen abgebaut.

Die Befürworter der Inklusion nennen aber auch wirtschaftliche Argumente. So hat beispielsweise eine Berechnung der Technischen Universität Berlin ergeben, dass es vor allem in ländlichen Regionen oft kostengünstiger ist, eine Schule barrierefrei umzubauen, als behinderte Schüler jeden Tag mit einem behindertengerechten Schulbus in eine Förderschule zu bringen. 

 

Was sind die Nachteile der Inklusion?

Zu den größten Hürden der Inklusion gehören die Bedenken, die auf beiden Seiten bestehen. So befürchten viele Eltern von nichtbehinderten Kindern, dass ihre Kinder in einer Inklusionsklasse in Sachen Förderung zu kurz kommen könnten. Gerade die Rücksichtnahme auf behinderte Kinder und Schüler mit großen Lernschwierigkeiten könnte sich für die leistungsstarken Schüler nachteilig auswirken.

Aber auch die Eltern von behinderten Kindern sind von der Inklusion nicht immer angetan. Sie argumentieren, dass ein Kind auf einer Förderschule viel individueller und intensiver gefördert wird. Viele behinderte Kinder brauchen die Unterstützung durch Heilpädagogen, aber an Regelschulen sind ausgebildete Heilpädagogen eine sehr seltene Ausnahme.

Kritiker führen außerdem an, dass die Inklusion behinderte Schüler nicht nur unter einen zu großen Leistungsdruck setzen, sondern auch zu einer Überforderung führen kann. Schließlich sind die Schüler mit Handicap permanent damit konfrontiert, dass sie anders sind. Auch bauen sich Berührungsängste nicht allein und automatisch dadurch ab, dass alle Kinder gemeinsam eine Schule besuchen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Inklusion oft schlichtweg fehlen.

So sind viele Schulen von einer barrierefreien Ausstattung weit entfernt. Für die Lehrer stehen häufig keine Fortbildungsangebote zur Verfügung, die sie auf ihre neue Aufgabe vorbereiten, und auch in Sachen Unterrichtsmaterial ist der Nachholbedarf groß.

Um allen Schülern gerecht werden zu können, wird eine Inklusionsklasse häufig von zwei Lehrern gleichzeitig unterrichtet. Dies wiederum setzt aber voraus, dass entsprechend viele neue Lehrkräfte eingestellt werden, wobei sowohl die Umbauten als auch die zusätzlichen Lehrstellen irgendwie finanziert werden müssen. Es wird also vermutlich noch eine ganze Zeit dauern, bis in Sachen Inklusion ein Weg gefunden ist, mit dem alle Beteiligten gut leben können.

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