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Wann ist ein Kind schulreif? 

Wenn der Nachwuchs allmählich ins schulpflichtige Alter kommt, stellt sich für viele Eltern die Frage, ob sie ihr Kind jetzt schon einschulen oder lieber noch ein Jahr länger im Kindergarten lassen sollten. Maßgeblich in diesem Zusammenhang ist, ob das eigene Kind die sogenannte Schulreife erlangt hat.

Doch was heißt das? Wann ist ein Kind schulreif? Und was sollten Eltern bei einer vorzeitigen Einschulung bedenken?

Antworten auf diese und weitere Fragen gibt der folgende Beitrag:

 

Ab wann ist ein Kind schulpflichtig?

In Deutschland besteht Schulpflicht. Schulpflicht bedeutet, dass ein Kind in die Schule gehen muss. Dabei kann es sich um eine öffentliche oder um eine private Ersatzschule mit staatlicher Genehmigung handeln. Nur in Ausnahmefällen und mit entsprechender Sondergenehmigung kann die Schulpflicht auch dadurch erfüllt werden, dass ein Kind eine internationale oder eine ausländische Schule besucht oder, beispielsweise im Fall einer Erkrankung, zu Hause unterrichtet wird.

Die Schulpflicht dauert in den meisten Bundesländern mindestens zwölf Jahre lang. Dabei führt der Bildungsweg über die Grundschule auf eine weiterbildende Schule und danach oft auf die Berufschule.

Zunächst stellt sich aber die Frage, wann die Schulpflicht denn beginnt. Hierzu besagen die gesetzlichen Regelungen der Bundesländer, dass Kinder ab ihrem sechsten Lebensjahr in die Schule gehen müssen. Wenn ein neues Schuljahr beginnt, werden also alle Kinder, die bis zu einem bestimmten Stichtag ihren sechsten Geburtstag gefeiert haben, schulpflichtig. Wann dieser Stichtag ist, ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt.

So ist

·         in Berlin und Bayern der 31. Dezember,

·         in Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein der 30. Juni,

·         in Rheinland-Pfalz der 31. August,

·         in Thüringen der 1. August,

·         in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen der 30. September und

·         in Baden-Württemberg und Niedersachsen der 31. Oktober

als Stichtag festgelegt. Wird ein Kind vor oder genau an dem Stichtag sechs Jahre alt, muss es mit Beginn des folgenden Schuljahres in die Schule gehen. Hat das Kind hingegen nach dem Stichtag für die Einschulung Geburtstag, können die Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind vorzeitig einschulen oder ob ihr Kind im Kindergarten bleiben oder erst im nächsten Jahr eingeschult werden soll.

 

Wann ist ein Kind schulreif?

Das Alter bestimmt zwar darüber, ob ein Kind schulpflichtig ist. Aber auch die sogenannte Schulreife spielt eine wichtige Rolle. Schulreif ist ein Kind dann, wenn es körperlich und auf intellektueller Ebene sowie im Hinblick auf seine Sozialkompetenzen und seine psychische Belastbarkeit soweit entwickelt ist, dass es am Grundschulunterricht teilnehmen kann. Doch was heißt das konkret? Wenn ein Kind eingeschult wird, wird erwartet, dass es bestimmte Fähigkeiten mitbringt.

Zu diesen Anforderungen gehört im Wesentlichen, dass das Kind

·         so selbstständig und unabhängig ist, dass es mehrere Stunden ohne seine Eltern aushält.

·         sich – zumindest einigermaßen – auf Deutsch verständigen kann.

·         in der Lage ist, sich alleine an- und auszuziehen und auf die Toilette zu gehen.

·         eine Stunde lang stillsitzen kann.

·         sich etwa 20 Minuten lang konzentriert und aufmerksam mit einem Thema beschäftigen kann.

·         eine einfache Geschichte richtig wiedergeben kann.

·         schlichte Formen, Zahlen und Buchstaben nachmalen kann.

·         einfache Bastelarbeiten anfertigen und dabei mit Schere und Klebstoff umgehen kann.

·         in der Lage ist, eigene Bedürfnisse zurückzustellen und Enttäuschungen wegzustecken.

Ob ein Kind soweit ist, dass es dem Unterricht in der Grundschule folgen kann, können die Eltern oft am besten abschätzen. Schließlich kennen sie ihr Kind und wissen um seine Fähigkeiten. Sind sich die Eltern unsicher, ob ihr Kind den Anforderungen in der Schule gewachsen ist, kann das Kind aber auch eine Art Eignungstest absolvieren.

Ein solcher Test wird oft vom Gesundheitsamt durchgeführt und hilft den Eltern bei der Entscheidung, ob sie ihr Kind vorzeitig einschulen lassen können oder mit der Einschulung besser noch ein Jahr warten sollten. Um sich zu informieren, können sich die Eltern an eine Grundschule wenden. Dort werden ihnen entsprechende Stellen genannt. In einigen Bundesländern ist ein solcher Test vor der Einschulung sogar Pflicht.

 

Was sollten Eltern bei einer vorzeitigen Einschulung bedenken?

Die körperliche Entwicklung und die intellektuelle Leistungsfähigkeit können meist gut eingeschätzt und durch einen Eignungstest auch zuverlässig überprüft werden. Deutlich schwieriger wird es, wenn es um die psychische Belastbarkeit und die sozialen Kompetenzen geht.

Die Eltern sollten sich vor Augen halten, dass ihr Kind in eine neue Umgebung kommt, viele neue Eindrücke verarbeiten und sich an jede Menge neue Regeln gewöhnen muss. Außerdem muss das Kind seine Position in einer Gruppe aus bis zu 30 anderen Kindern finden und behaupten. Hierfür wiederum braucht es ein gewisses Selbstbewusstsein.

Viele Pädagogen und Psychologen vertreten die Auffassung, dass es jüngere Kinder schwerer haben als ihre älteren Klassenkameraden. Denn gerade im Kindergarten- und Grundschulalter ist das Lebensalter ein Hauptkriterium für den Status. So sind es in aller Regel die älteren Kinder, die den Ton angeben, während sich die kleineren und jüngeren Kinder eher unterordnen. Studien haben gezeigt, dass ein Jahr hier einen großen Unterschied ausmachen kann, sowohl im Hinblick auf die körperliche Entwicklung als auch hinsichtlich der Persönlichkeit, des Intellekts und der sozialen Kompetenzen.

Gerade im Bereich der Persönlichkeit gibt es keine objektiven Maßstäbe. Jedes Kind ist anders und ein fünfjähriges Kind kann durchaus einen stärkeren Charakter haben und mit schwierigen Situationen besser umgehen können als ein sieben- oder achtjähriges Kind.

Grundsätzlich gilt aber, dass es für ein Kind weit weniger problematisch ist, ein Jahr später in die Schule zu kommen, als stets der oder die Kleinste zu sein, nicht richtig mitzukommen und schlimmstenfalls sitzen zu bleiben. Die Eltern sollten also gut abwägen, ob sie ihr Kind vorzeitig einschulen lassen oder ob sie ihm nicht besser die Zeit geben, ein weiteres Jahr im Kindergarten heranzureifen.

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