6 Tipps bei einer Rechts-Links-Schwäche

6 Tipps bei einer Rechts-Links-Schwäche 

Viele Kinder verwechseln rechts und links miteinander. Doch auch Erwachsenen fällt es nicht immer leicht, die jeweilige Seite auf Anhieb richtig zu benennen. Umfragen und Studien zufolge bereitet das Thema “rechts und links” zwischen 20 und 30 Prozent aller Menschen Schwierigkeiten.

Und wissenschaftliche Tests haben gezeigt, dass weit über 90 Prozent der Probanden schneller reagieren, wenn sie dazu aufgefordert werden, nicht rechts und links, sondern oben und unten zu bestimmen. 

Wenn rechts und links miteinander verwechselt werden, liegt natürlich nicht immer gleich eine Schwäche oder gar eine ernsthafte Störung vor. Im Eifer des Gefechts kann es passieren, dass die Seiten durcheinandergeraten. Solche kleinen Fehler können jedem unterlaufen, sind normal und kein Grund zur Sorge. Wenn das Bestimmen der richtigen Seite aber überhaupt nicht klappen will, sollte genauer hingesehen werden.

Denn Schwierigkeiten, rechts und links voneinander zu unterscheiden, können die Ursache für weitere schulische Probleme sein. Die Forschung nimmt an, dass Lernstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Legasthenie und eine Rechenschwäche durch eine unbehandelte Rechts-Links-Schwäche ausgelöst werden können. Neben einer verkrampften Stifthaltung könnte möglicherweise sogar ADHS auf eine nicht erkannte Rechts-Links-Schwäche zurückzuführen sein.

Ganz so weit muss es aber gar nicht immer gehen. Es ist nicht tragisch, wenn ein Kind oder ein Erwachsener etwas länger braucht, um die richtige Seite zu benennen. Und mit ein bisschen Training und dem einen oder anderen Trick lässt sich das kleine Problem gut und schnell aus der Welt schaffen. Wie das gelingen kann?

Hier sind sechs Tipps, die dabei helfen können, eine Rechts-Links-Schwäche zu überwinden! 

 

Tipp 1: Gedächtnisstützen

Der beste und schnellste alltagstaugliche Tipp bei einer Rechts-Links-Schwäche lautet, sich eine Gedächtnisstütze zuzulegen. Dazu muss zunächst festgelegt werden, welche Seite gefestigt werden soll. Wird es die rechte Seite, kann der Schüler beispielsweise an der rechten Hand ein Armband tragen.

Möglich ist auch, einen kleinen Aufnäher am rechten Handschuh anzubringen oder den Schnürsenkel vom rechten Schuh gegen einen bunten Schnürsenkel auszutauschen. Ist der Schüler Rechtshänder, kann er sich einprägen, dass die rechte Seite die Seite ist, in der er beim Schreiben seinen Stift hält.

Wird es die linke Seite, kann sich der Schüler merken, dass die Lochungen auf Arbeitsblättern, bei Schreibblöcken und bei Briefen am linken Blattrand sind. Daneben lässt sich die linke Seite daran erkennen, dass der Daumen und der Zeigefinger der linken Hand ein L wie links bilden, wenn sie ausgestreckt werden. Solche Gedächtnisstützen helfen dabei, sich eine Seite zu merken. Und wenn der Schüler weiß, wo rechts oder links ist, kann er auch die andere Seite bestimmen.

 

Tipp 2: spielerische Übungen

Das Erkennen von rechts und links kann spielerisch geübt werden. So kann der Schüler beispielsweise Rätselaufgaben lösen. Dazu bekommt er ein Foto und muss alle rechten Beine, alle linken Hände, alle rechten Ohren oder alle linken Augen der abgebildeten Personen oder Tiere bestimmen.

Jede richtige Zuordnung wird mit einem Punkt belohnt. Eine andere Möglichkeit ist, Collagen zu basteln. Dafür schneidet der Schüler beispielsweise alle rechten Schuhe oder alle linken Hände aus einem Katalog oder einer Zeitschrift aus und klebt sie auf ein Blatt Papier. 

 

Tipp 3: regelmäßiges Training im Alltag

Je häufiger das Bestimmen der Seiten geübt wird, desto leichter fällt es. Dabei lassen sich die Übungen gut in den Alltag integrieren. So kann der Schüler beispielsweise dazu aufgefordert werden, einen Gegenstand zu reichen und dafür die rechte oder linke Hand zu verwenden.

Oder die Aufforderungen können so umformuliert werden, dass sie eine Seitenbestimmung enthalten. Beim Einkaufen beispielsweise kann der Schüler gebeten werden, nicht die kleinere oder die blaue Verpackung aus dem Regal zu holen, sondern die Verpackung rechts neben der grünen Verpackung. Beim Tischdecken wiederum kann der Schüler den Auftrag bekommen, alle Gläser links neben die Teller zu stellen. Für ein regelmäßiges Alltagstraining zur Seitenbestimmung braucht es also nur ein wenig Phantasie.

 

Tipp 4: Farbquadrat

Das Farbquadrat ist eine gute Möglichkeit, um das Erkennen von rechts und links zu üben und gleichzeitig mit dem Bestimmen von oben und unten zu verknüpfen. Für das Farbquadrat wird ein Quadrat gezeichnet. Anschließend werden die neun möglichen Richtungen mit farbigen Punkten gekennzeichnet. Dabei steht jeder Farbpunkt für eine Richtung:

[Farbquadrat]

Farbquadrat

Der Schüler muss dann die verschiedenen Richtungen bestimmen. Die farbigen Punkte helfen dabei, sich einzuprägen, wo was ist.

 

Tipp 5: Überkreuzübungen

Die Forschung vermutet, dass die Gehirnhälften bei Kindern und Erwachsenen mit einer Rechts-Links-Schwäche seitenverkehrt arbeiten. Der Grund hierfür wiederum könnte sein, dass die Krabbelphase zu früh abgebrochen oder weitgehend ausgelassen wurde.

In der Folge hat das Gehirn nicht gelernt, die Seitensignale richtig zuzuordnen und zu verarbeiten. Abhilfe sollen sogenannte Überkreuzübungen verschaffen. Bei diesen Übungen werden Bewegungen durchgeführt, die beide Körperhälften in entgegen gesetzter Richtung einbeziehen. Zwei klassische Übungen sind beispielsweise folgende:

1.       Der Schüler steht aufrecht. Dann führt er seinen rechten Ellenbogen langsam und ganz bewusst zum linken Knie. Anschließend wechselt er die Seiten und führt seinen linken Ellenbogen zum rechten Knie. Dies wird mehrere Male hintereinander wiederholt.

2.       Der Schüler stellt sich gerade hin. Während er nun seinen linken Arm ausstreckt und nach oben bewegt, streckt er sein rechtes Bein zur Seite. Anschließend streckt er seinen rechten Arm und sein linkes Bein aus. Auch diese Übung wird mehrfach, jeweils mit Seitenwechseln dazwischen, wiederholt.

Natürlich ist möglich, sich eigene Übungen auszudenken. Wichtig ist nur, dass jeweils beide Körperhälften überkreuz beteiligt sind.

 

Tipp 6: Geduld haben!

Unabhängig davon, wie und wie oft die Seitenbestimmung geübt wird, gilt: Ohne Geduld geht es nicht. Es bringt nichts, den Schüler unter Druck zu setzen, sich über ihn lustig zu machen oder gar entnervt zu reagieren, weil er rechts und links noch immer nicht auseinanderhalten kann.

Der Schüler muss selbst erst einmal Vertrauen in sein Wissen aufbauen. Doch er wird keine Sicherheit entwickeln können, wenn er bei jedem Fehler Kritik fürchtet. Deshalb sollte nicht auf Fehlern herumgeritten, sondern stattdessen richtige Seitenbestimmungen gelobt werden. Außerdem ist es ratsam, die Seiten nicht abwechselnd zu üben. Denn beide Seiten gleichzeitig zu trainieren, könnte den Schüler unnötig durcheinanderbringen. Besser ist, wenn sich der Schüler erst einmal nur auf eine Seite konzentriert. Kann er dann rechts oder links sicher bestimmen, können die Übungen immer noch auf beide Seiten ausgeweitet werden.

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