Dyskalkulie erkennen und behandeln, 2. Teil

Dyskalkulie erkennen und behandeln, 2. Teil

Die Legasthenie, also eine Lese-Rechtschreib-Schwäche, können die meisten vermutlich einordnen. Im Unterschied dazu ist die Dyskalkulie weit weniger geläufig. Der deutsche Name für die Dyskalkulie lautet Rechenschwäche. Bei dieser Teilleistungsschwäche hat der Betroffene Schwierigkeiten damit, Zahlen wahrzunehmen, einzuordnen und zu verarbeiten. In einem zweiteiligen Beitrag gehen wir der Frage nach, wie sich eine Dyskalkulie erkennen und behandeln lässt.

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Dyskalkulie erkennen und behandeln, 2. Teil

Dabei haben wir im 1. Teil erklärt, was genau eine Dyskalkulie ist, welche Ursachen sie hat und durch welche Symptome sie sich äußert. Hier ist der 2. Teil!:

Wie lässt sich eine Dyskalkulie sicher erkennen?

Wie wir schon im 1. Teil ausgeführt haben, erkennt die WHO die Dyskalkulie als Entwicklungsstörung an. In der internationalen Klassifikation ist der Rechenstörung das Kürzel F81.2 zugeordnet. Damit ist es möglich, ganz offiziell die Diagnose Dyskalkulie zu stellen.

Bleibt aber die Frage, wie die Eltern zu der Diagnose kommen, wenn sie den Eindruck haben, dass die Mathe-Probleme ihres Kindes auf eine Rechenschwäche zurückgehen könnten. Tatsächlich gibt es hierfür entsprechende Tests. So einen Dyskalkulie-Test kann ein Arzt, ein Psychologe oder ein Psychotherapeut, der sich auf Kinder und Jugendliche spezialisiert hat, durchführen.

Das Testverfahren beinhaltet Rechentests, die auf das Alter und die Klassenstufe des Kindes abgestimmt sind. Das ist Grundvoraussetzung für ein aussagekräftiges Ergebnis. Schließlich wäre es Unsinn, von einem Kindergartenkind die gleichen mathematischen Kenntnisse und Fertigkeiten zu erwarten wie von einem Sechstklässler.

Früher wurden in der Dyskalkulie-Diagnostik rein ergebnisorientierte Tests eingesetzt. Dabei musste das Kind Mathe-Aufgaben lösen und für die Auswertung zählte nur, ob das Endergebnis stimmt oder ob nicht. Diese Tests sagen aber nicht viel aus. Es hat ja auch seinen Grund, warum in der Schule der Lösungsweg genauso benotet wird wie das Ergebnis.

Bei der Feststellung einer Dyskalkulie werden deshalb inzwischen weit umfangreichere Tests genutzt. Das Kind muss zwar nach wie vor Mathe-Aufgaben ausrechnen. Doch der Fokus liegt nicht nur auf dem Ergebnis. Stattdessen geht es auch darum, wie das Kind beim Lösen vorgeht.

Meist wird das Kind darum gebeten, gewissermaßen laut zu denken. Auf diese Weise soll sich zeigen, wobei sich das Kind schwertut und inwiefern wirklich eine Rechenstörung oder vielleicht doch eine ganz andere Ursache vorliegt.

Zusätzlich dazu können Gespräche mit dem betroffenen Kind Aufschluss geben. Denn die Wurzeln für schulische Probleme liegen öfter als gedacht an anderer Stelle. So ist zum Beispiel möglich, dass ein Schüler schlecht sieht oder nicht gut hört, sich aber schämt, das zuzugeben.

Genauso kann eine Legasthenie vorliegen, die bisher nicht erkannt wurde. Und manchmal braucht ein Kind einfach nur etwas länger, bis es Inhalte verstanden und gelernt hat. Das gilt vor allem für die Schulfächer, auf die es ohnehin wenig Lust hat.

Wie lässt sich eine Dyskalkulie behandeln?

Zuerst die schlechte Nachricht: Dyskalkulie ist nicht heilbar. Es gibt keine Therapie, durch die die Rechenschwäche verschwindet. Das liegt aber schlichtweg daran, dass die Dyskalkulie keine Erkrankung ist, die sich wie zum Beispiel eine Erkältung, Windpocken oder Sodbrennen im eigentlichen Wortsinn heilen lässt.

Allerdings ist die Dyskalkulie behandelbar und kann soweit ausgeglichen werden, dass der Betroffene später in der Schule und im Alltag gut zurechtkommt. Ein ausgewiesenes Mathe-Genie wird der Betroffene zwar eher nicht mehr werden.

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Doch die Beeinträchtigung wird soweit aufgehoben, dass der Betroffene einigermaßen im Mathe-Unterricht mitkommt, ein Grundverständnis für Zahlen und Mengen entwickelt und die Grundrechenarten anwenden kann.

Die Behandlung der Dyskalkulie besteht in erster Linie in einer gezielten Förderung. Sie setzt direkt dort an, wo das Kind Probleme mit Zahlen oder dem Rechnen hat. Dabei ist natürlich ein langer Atem notwendig.

Eine Rechenschwäche lässt sich nicht auf die Schnelle ausgleichen. Doch es gibt wissenschaftlich fundierte Förderprogramme, die bei einer individuellen und konstanten Betreuung zum Ziel führen.

Wie können Eltern ihrem Kind helfen?

Die Eltern können ihr Kind unterstützen, indem sie immer mal wieder kleine Zahlenspiele oder Rechenaufgaben ins alltägliche Leben einstreuen. Das funktioniert zum Beispiel beim Einkaufen, beim Tischdecken oder beim Sortieren der Wäsche.

Solche kleinen Spielchen fördern das Verständnis für Zahlen und Mengen auf kindgerechte Art. Davon profitieren natürlich auch Kinder, die keine Rechenschwäche haben, sondern sich nur mit Mathe etwas schwerer tun.

Wurde eine Dyskalkulie festgestellt, wird es nicht ohne professionelle Hilfe gehen. Die gezielte und intensive Förderung konzentriert sich auf die Symptome der Dyskalkulie und versucht, diese durch eine spezielle Nachhilfe auszugleichen.

Dazu kommt, dass es in den Förderprogrammen nicht nur darum geht, die mathematischen Grundfertigkeiten zu verbessern und die Lernvoraussetzungen zu optimieren.

Stattdessen lernt das Kind auch, dass es weder dumm ist noch sich für seine Rechenschwäche schämen muss. Für die emotionale Entwicklung des Kindes ist das ein sehr wichtiger Punkt.

Kann eine Dyskalkulie auch im Erwachsenenalter noch behandelt werden?

Vor allem bei kleinen Kindern ist es sehr schwierig, zuverlässig eine Dyskalkulie zu diagnostizieren. Denn der Entwicklungsstand von Kindergartenkindern ist sehr verschieden. Deshalb lässt sich nur bedingt einschätzen, ob das Kind einfach nur etwas langsamer ist oder tatsächlich eine Rechenschwäche hat.

In den meisten Fällen wird eine Rechenstörung erst in der Grundschule festgestellt. Während die Kleinen im Kindergarten und in der Schule erst einmal nur die Zahlen lernen, stehen in der Grundschule nämlich die Grundrechenarten auf dem Lehrplan.

Zeigt sich, dass der Schüler mit dem Verständnis von Zahlen, Mengen und den Grundrechenarten Probleme hat, kommt die Vermutung auf, dass eine Rechenschwäche vorliegen könnte.

Generell sollten die Eltern die schulischen Leistungen beobachten und sich mit den Lehrern austauschen. Pädagogen können die Lernfortschritte ganz gut einschätzen. Erhärtet sich der Verdacht, sollten die Eltern ihr Kind auf Dyskalkulie testen lassen.

Wird die Rechenschwäche nicht erkannt, nimmt sie der Betroffene ins Erwachsenenalter mit. Eine Rechenstörung entwickelt sich nicht erst als Erwachsener und sie verschwindet auch nicht von alleine. Für eine Behandlung ist es aber nie zu spät. Eine spezielle Förderung kann unabhängig vom Alter dabei helfen, die Teilleistungsschwäche auszugleichen. Der richtige Ansprechpartner ist in diesem Fall ein Psychologe oder Psychiater.

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Bernhard Staube, 48 Jahre, Inhaber Agentur für Schülerhilfe, Sabine Menkemann, 43 Jahre, Lehrkraft Deutsch/ Mathe, Matthias Kurz, 39 Jahre, Pädagoge berufsbildene Schule, sowie Christian Gülcan Betreiber und Redakteur dieser Seite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zum Thema Bildung, Lernen, Schulen und Weiterbildung.

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