Fragen und Antworten zur frühkindlichen Bildung

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema frühkindliche Bildung 

Einen Grund dafür, weshalb Deutschland bei der PISA-Studie regelmäßig nur im Mittelfeld landet, sehen Experten darin, dass Kinder in Deutschland viel später mit dem Lernen beginnen als in anderen Ländern.

Dabei belegen Studien aus der Bildungsforschung und der Entwicklungspsychologie, dass die Aufnahmefähigkeit gerade in den ersten Lebensjahren mit Abstand am höchsten ist.

 

 

In beispielsweise Skandinavien, Frankreich oder Holland stehen schon in den Kindertagesstätten regelmäßig einfache naturwissenschaftliche Experimente oder der Umgang mit Zahlen und Buchstaben auf dem Programm.    Bis zur Einschulung sammeln die Kinder so wertvolles Basiswissen an, während ihre deutschen Altersgenossen dieses Wissen erst im Alter von sechs oder sieben Jahren nachholen.

Aber auch Deutschland befindet sich im Umbruch und das Schlüsselwort hierzu lautet frühkindliche Bildung. So arbeiten die Bundesländer fleißig an Bildungsplänen für Kindertagesstätten, die Regale füllen sich mit Fachliteratur und Universitäten und Hochschulen entwickeln neue Studiengänge. Nun stellt sich aber die Frage, was sich genau hinter der sogenannten frühkindlichen Bildung verbirgt, welche Absichten sie verfolgt und wie sie umgesetzt wird.

 

 

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema frühkindliche Bildung in der Übersicht:

 

Was bedeutet frühkindliche Bildung genau?

Mit dem Begriff frühkindliche Bildung wird die Erziehung und Bildung von Kinder in dem Zeitraum zwischen Geburt und Grundschulalter bezeichnet. Seit 2000 gehört die frühkindliche Bildung zu den wichtigen gesellschaftspolitischen Themen und das Hauptziel der Bemühungen besteht darin, Kinder besser an das Lernen heranzuführen.

Die Schwerpunkte der frühkindlichen Bildung liegen in der Entwicklung und Förderung von persönlichen, sozialen, sprachlichen und lernmethodischen Kompetenzen. Um dies zu realisieren, wurden bundesweit Bildungspläne eingeführt, die Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätten und Grundschulen intensiviert und die Ausbildung der Erzieher überarbeitet.  

 

 

Was sollte die frühkindliche Bildung beginnen?

Allgemein gilt ein Alter von 18 Monaten als idealer Zeitpunkt für den Besuch einer Kindestagesstätte. Bis zu diesem Zeitpunkt ist für ein Kind vor allem die liebevolle Zuwendung seiner Bezugspersonen wichtig. Ab dem zweiten Lebensjahr beginnt die Phase, in der sich ein Kind zunehmend für seine Umwelt und auch andere Personen interessiert und allmählich entdecken, erforschen und hinterfragen möchte.

In dieser Phase kann ein Kind von dem Besuch einer Kindestagesstätte profitieren, denn hier kann es erste soziale Kontakte außerhalb der Familie knüpfen, sich mit Gleichaltrigen austauschen und auf spielerische Art erste Lernerfahrungen sammeln.

Hinzu kommt die Förderung von Sprache, die sich insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund auszahlen kann.   

 

Wie läuft frühkindliche Bildung ab?

Die Grundlage für die Konzepte bilden die Bildungspläne für die frühkindliche Bildung. Diese wurden ab 2004 veröffentlicht, wobei das Bundesland Bayern mit seinem sogenannten Bildungs- und Erziehungsplan die Vorreiterrolle und eine Vorbildfunktion einnimmt. Die Bildungspläne enthalten einheitliche Bildungs- und Erziehungsziele und beschreiben persönliche, soziale und lernmethodische Kompetenzen, über die Kinder bis zu einem bestimmten Alter verfügen sollten.

Daneben beinhalten die Pläne Anregungen und einen flexiblen Rahmen, an dem sich die Erzieher bei ihrer alltäglichen Arbeit orientieren können. Bei den Bildungsbereichen, mit denen sich die Pläne beschäftigen, handelt es sich unter anderem um Mathematik, Naturwissenschaften, Technik, Kunst, Musik und Sport, aber auch Sprache, Gesundheit und Werteorientierung. Dabei geht es bei der frühkindlichen Bildung aber nicht unbedingt um die Vermittlung konkreter Lerninhalte.

Im Vordergrund steht vielmehr, dass die Kinder Grundkompetenzen erwerben sollen, die die Basis für ihren weiteren Lern- und Lebensweg bilden. So geht es auch darum, Kindern persönliche Kompetenzen wie Motivation oder Selbstvertrauen und soziale Kompetenzen wie Verantwortung, Rücksichtnahme oder die Fähigkeit, Probleme und Konflikte zu lösen, zu vermitteln. Mathematische, naturwissenschaftliche und sprachliche Inhalte werden erarbeitet, indem der Spieltrieb und die natürliche Neugierde von Kindern genutzt werden.

So können die Kinder ausprobieren, entdecken, erforschen und beobachten. Dadurch sammeln sie zum einen Erfahrungen und lernen zum anderen unterschiedliche Wege kennen, um sich Wissen anzueignen.  

 

Kann frühkindliche Bildung Kinder nicht auch überfordern?

Viele Eltern befürchten, dass ihr Kind überfordert und ein Stück weit auch seiner Kindheit beraubt werden könnte, wenn es schon so früh mit dem Lernen beginnt, anstatt einfach nur ausgelassen zu spielen. Solche Bedenken sind jedoch unbegründet.

Kinder sind von Natur aus neugierig, wissbegierig, begeisterungsfähig und können eine enorme Ausdauer an den Tag legen, wenn sie etwas wissen möchten. Vermutlich haben die meisten Eltern schon einmal erlebt, wie viele Warum-Fragen ein Kind zu einem einzigen Thema stellen kann. An diesem Punkt setzt die frühkindliche Bildung an.

Sie nutzt den natürlichen Wissensdurst der Kinder, um ihnen spielerisch und in Alltagssituationen Wissen und Können zu vermitteln. Dabei gibt es aber weder ein stures Auswendiglernen noch Leistungsdruck oder irgendwelche Zwänge. Dennoch muss der Besuch einer Kindertagesstätte nicht für jedes Kind der richtige Weg sein und es entstehen nicht automatisch Nachteile, wenn ein Kind erst mit drei Jahren in einen Kindergarten geht.

Jedes Kind ist anders und jedes Kind hat andere Bedürfnisse. Es gibt Kinder, die länger die Geborgenheit und die Nestwärme in der Familie benötigen, während andere Kinder früher Interesse an Neuem und Fremdem entwickeln. Eltern sollten grundsätzlich darauf achten, ihre Kinder zu fördern und ihnen die Gelegenheit zu geben, regelmäßig mit Kindern im gleichen Alter zu spielen und sich auszutauschen.    

 

Wie sieht die Realität zum Thema frühkindliche Bildung aus?

Die Ideen und Ansätze sind unbestritten gut und die Entwicklung scheint auf dem richtigen Weg zu sein. In der Realität steht Deutschland aber im Vergleich zu anderen Ländern noch ziemlich weit am Anfang. Ein Problem dabei ist, dass kaum die Möglichkeit besteht und die Zeit bleibt, jedes Kind individuell zu fördern, wenn eine Gruppe bis zu 25 Kinder umfasst und diese Gruppe von nur einer ausgebildeten Vollzeitkraft betreut wird.

Aber nicht nur zu wenig, sondern auch zu schlecht ausgebildetes Personal macht die frühkindliche Bildung schwierig. Die ersten Absolventen der neuen Studiengänge kommen erst allmählich an die Kindertagsstätten, wobei die teils sehr schlechte Bezahlung nicht unbedingt Anreize schafft. Noch ein Problem ergibt sich durch die föderale Struktur in Deutschland.

Das Bildungswesen ist Ländersache und so ist es bislang weder gelungen, einen bundesweit verbindlichen Rahmenbildungsplan noch eine Instanz zu etablieren, die kontrolliert, wie es um die Umsetzung und die Qualität der frühkindlichen Bildung bestellt ist. Das Hauptproblem liegt jedoch darin, dass es noch immer schlichtweg zu wenig Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren gibt. 

 

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