Hochbegabte Kinder: Anzeichen und Probleme
Hochbegabte Kinder erfassen Lerninhalte schneller, denken komplexer und stellen schon in jungen Jahren Fragen, die oft nicht einmal Erwachsene beantworten können. Gleichaltrigen sind sie in vielen Fällen deutlich voraus. Doch die überdurchschnittliche Intelligenz kann auch zu einer Überforderung führen. Wie macht sich Hochbegabung bemerkbar? Wie entsteht sie? Und vor welchen Problemen können hochbegabte Kinder stehen?

Während ein Intelligenzquotient (IQ) zwischen 85 und 115 als normal gilt, liegt bei einem IQ über 115 eine überdurchschnittliche Intelligenz vor.
Bei Hochbegabten ist die Intelligenz noch einmal höher, ihr IQ ist über 130. Schätzungen zufolge trifft das unter hundert Menschen auf zwei zu.
Die besonders hohe Intelligenz führt dazu, dass Hochbegabte zum Beispiel schon im Kindergartenalter lesen können, Schulklassen überspringen und die Schule deshalb früher abschließen oder ein enorm gutes Gedächtnis und ein umfangreiches Detailwissen haben.
Doch obwohl solche Fähigkeiten im ersten Moment wie große Vorteile erscheinen, bringen sie für viele Hochbegabte im Alltag oft Probleme mit sich:
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Anzeichen ab dem Kleinkindalter
Zuverlässig feststellen lässt sich Hochbegabung zwar nur mit einem IQ-Test. Aber es gibt einige Anzeichen, die sich schon sehr früh bemerkbar machen. Hochbegabte Kleinkinder überspringen mitunter ganze Entwicklungsschritte.
So können sie zum Beispiel überdurchschnittlich schnell laufen, ohne dabei zunächst gekrabbelt zu haben. Genauso ist denkbar, dass sich die Kinder bereits im Kindergartenalter sehr gewählt ausdrücken und komplexe Begriffe verwenden, als wären sie Erwachsene.
Auch eine besondere Sensibilität ist oft ein Hinweis auf eine Hochbegabung.
Daneben können sich Hochbegabte sehr viele Dinge merken. Sie erfassen Informationen sehr schnell, verstehen Sachverhalte und stellen auch komplexe Zusammenhänge her.
Aus diesem Grund fällt es hochbegabten Kindern leicht, das Lesen, das Schreiben und das Rechnen zu lernen. Weil sie diese Fertigkeiten oft schon früh beherrschen, entwickeln sie nicht selten ungewöhnliche Lösungswege.
Gleichzeitig langweilen sie sich häufig bei Aufgaben, die für ihr Alter eigentlich angemessen sind. Allerdings bedeutet Hochbegabung nicht zwangsläufig, dass die Kinder in der Schule gute Noten haben oder in anderen Bereichen besondere Leistungen erbringen.
Teilweise ecken hochbegabte Kinder mit ihrem Verhalten auch an. Wenn sie zum Beispiel im Kindergarten auf jede Frage der Erzieher eine Antwort parat haben, können sie als vorlaut wahrgenommen werden.
Weil sie Dinge schneller nachvollziehen und Gefahren besser einschätzen können als ihre Altersgenossen, können sie sich weigern, auf Bäume hochzuklettern, auf dem Spielplatz von Schaukeln herunterzuspringen oder sich an Prügeleien zu beteiligen.
Doch das führt oft dazu, dass die anderen Kinder die Hochbegabten als Angsthasen abstempeln und in eine Außenseiterrolle drängen.
Gene und das Umfeld
Bisher ist nicht abschließend geklärt, wie Hochbegabung entsteht. Die Wissenschaft geht davon aus, dass sowohl unsere Gene als auch das Umfeld, in dem wir groß werden, Einfluss auf unsere Intelligenz haben.
Je älter wir werden, desto stärker machen sich zwar die genetischen Einflüsse auf die Intelligenz bemerkbar. Doch selbst wenn eine genetische Veranlagung zur Hochbegabung vorhanden ist, ist nicht gesagt, dass sie sich auch tatsächlich ausbildet.
Aus mehreren Studien lässt sich ableiten, dass bei der Entwicklung einer Hochbegabung die Umwelteinflüsse eine größere Rolle spielen als die genetischen Faktoren.
Ein Aspekt dabei sind die wirtschaftlichen Verhältnisse. So erzielten in einer älteren Studie Kinder, deren Eltern nur ein geringes Einkommen hatten, um bis zu 13 IQ-Punkte weniger als Kinder mit reicheren Eltern.
Der Erziehungsstil sowie die Art und die Häufigkeit, wie Eltern mit ihren Kindern sprechen, können die Intelligenz ebenfalls beeinflussen.

Die Probleme hochbegabter Kinder
Obwohl oder gerade weil hochbegabte Kinder überaus intelligent sind, können sie in der Schule große Schwierigkeiten haben. Eine Ursache dafür ist die Unterforderung.
Wie sie sich anfühlen kann, lässt sich an einem Beispiel veranschaulichen, das Begabtenzentren verwenden:
Stell dir vor, du wohnst im Ausland und musst dort an einem Sprachkurs in deiner Muttersprache teilnehmen. Du hast jeden Tag mehrere Stunden lang Unterricht. Weil es sich um einen Anfängerkurs handelt, fängt der Lernstoff ganz bei null an.
Das heißt für sich, dass du wochenlang jeden Tag das Alphabet und einfachste Wörter wiederholst, wohlgemerkt in deiner Muttersprache. Wie wäre das für dich?
Eine Unterforderung kann dazu führen, dass sich die Kinder langweilen, nicht verstanden oder ausgegrenzt fühlen. Fällt den Eltern und den Erziehern oder Lehrern nichts auf, ziehen sich die Kinder womöglich immer weiter zurück und entwickeln im schlimmsten Fall Depressionen oder sogar Suizidgedanken.
Eine andere Problematik kann entstehen, wenn hochbegabte Kinder ihre Probleme verschweigen und sich stattdessen an ihre Altersgenossen anpassen.
Denn dieses Verhalten kostet viel Kraft und kann im Laufe der Zeit Antriebslosigkeit, Erschöpfungszustände, aber auch körperliche Symptome wie Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafprobleme oder Appetitlosigkeit hervorrufen.
Zeigt ein IQ-Test, dass dein Kind hochbegabt ist, solltest du es deshalb so früh wie möglich fördern.
Dazu braucht es nicht nur geeignete Bildungsangebote, die sich speziell an Hochbegabte richten, sondern auch und vor allem ein Umfeld, in dem die besonderen Fähigkeiten deines Kindes erkannt und unterstützt werden. Denn nur wenn sich dein Kind verstanden und angenommen fühlt, kann es sein besonderes Potenzial auch entfalten und tatsächlich nutzen.
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