Wann ist E-Learning sinnvoll?

Wann ist E-Learning sinnvoll?

Wer digital lernt, sollte zwar in der Lage sein, eigenständig, strukturiert und diszipliniert zu arbeiten. Doch dafür kann sich der Lernende die Zeit, die er in seine Weiterbildung investiert, frei einteilen. Trotzdem ist das sogenannte E-Learning nicht immer die beste Wahl.

In vielen Berufen ist das Lernen mit digitalen Hilfsmitteln längst Standard. Auf den Büromitarbeiter, der im Internet nach Informationen recherchiert, trifft das genauso zu wie auf den Ingenieur, der am 3D-Modell verschiedene Bauweisen ausprobiert.

Doch wie sieht es mit dem E-Learning aus, wenn es um berufliche Weiterbildungen geht? Auf den ersten Blick scheinen Onlinekurse die ideale Lösung zu sein. Denn durch den Job und die Familie ist der Kalender meist schon gut gefüllt. Sich dann auch noch Zeit freizuschaufeln, um eine klassische Weiterbildung vor Ort zu besuchen, kann zur echten Herausforderung werden. Im Unterschied dazu ist der Lernende bei einem Onlinekurs weder an Zeiten noch an den Ort gebunden. Er kann also lernen, wann und wo er will.

Auch Arbeitgeber haben erkannt, welche Vorteile das E-Learning bietet. Eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom hat ergeben, dass mittlerweile rund zwei Drittel der deutschen Unternehmen klassische Seminare mit digitalen Lernmethoden mixen.

Die Angebotspalette reicht dabei von informellen Lernmöglichkeiten in Foren und Netzwerken über einmalige Webinare bis hin zu umfangreicheren Onlinekursen. Webinare sind das digitale Pendant zu Seminaren. Es handelt es also um Schulungen, die virtuell stattfinden. Doch bevor die Wahl auf eine digitale Weiterbildungsmaßnahme fällt, sollte der Lernende ein paar wichtige Fragen klären.

 

Was will ich mit der Weiterbildung erreichen?

Zuallererst sollte der Lernende für sich festlegen, welches Ziel er mit der Weiterbildung verfolgt. Welche Kompetenzen möchte er sich aneignen? Welche Qualifikation möchte er erreichen? Wo und wie kann er sein neu erworbenes Wissen einbringen? Erst wenn klar ist, worauf die Weiterbildung abzielt und was sich durch die Weiterbildung ändern soll, kann sich der Lernende auf die Suche nach passenden Angeboten machen.

Geht es um eine berufliche Weiterbildung, sollte sich der Lernende im Vorfeld mit seinem Chef zusammensetzen und die Ziele, aber auch die Notwendigkeit und die Folgen der Weiterbildung durchsprechen. Bei einer privaten Weiterbildung sollte der Lernende darauf achten, dass er das Gelernte auch wirklich nutzen kann.

Es bringt nicht viel, wenn sich der Lernende Wissen auf Vorrat aneignet. Besser ist, wenn der Lernende die Theorie direkt mit der Praxis verknüpfen kann. Zudem sollte sich der Lernende im Vorfeld erkundigen, welchen Wert die Abschlüsse oder Zertifikate des Anbieters haben. Denn der schönste Kurs bringt den Lernenden nicht wirklich weiter, wenn die erworbene Qualifikation nirgends anerkannt wird.

Weiß der Lernende, in welche Richtung seine Weiterbildung gehen soll, kann er sich bei der Arbeitsagentur oder bei der für ihn zuständigen Kammer über passende Angebote informieren. Im Internet steht mit dem Deutschen Bildungsserver für Weiterbildungen eine Suchmaschine bereit. Hier kann der Lernende über die Schaltfläche „Mehr Optionen“ gezielt nach Angeboten für das E-Learning suchen.

 

Welcher Lerntyp bin ich?

Damit das E-Learning funktioniert, muss der Lernende strukturiert vorgehen können und in der Lage sein, sich Lerninhalte selbst zu erarbeiten. Neben einer guten Portion Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen braucht der Lernende auch eine gewisse Offenheit.

Denn er muss bereit sein, Neues anzunehmen, Verschiedenes auszuprobieren und das Erlernte eigenständig anzuwenden. Wenn der Lernende eher kein Einzelkämpfer ist und eine gewisse Kontrolle braucht, um am Ball zu bleiben, ist er mit einem klassischen Seminar, das regelmäßig die Anwesenheit vor Ort voraussetzt, besser beraten.

 

Welche E-Learning-Methode passt zu mir?

Verschiedene Studien haben ergeben, dass reines E-Learning mit recht hohen Abbruchquoten einhergeht. Ein Grund hierfür ist, dass die Lernenden auf sich alleine gestellt sind und einsam vor sich hinwerkeln. Der Austausch mit anderen Lernenden fehlt und auch die Motivation lässt mit der Zeit häufig nach.

Die Praxis zeigt, dass das Lernen insgesamt besser funktioniert, wenn die Weiterbildung vor Ort in den Arbeitsalltag integriert ist und der Lernende die erlernten Inhalte direkt auf die Praxis übertragen kann. Viele Anbieter arbeiten deshalb inzwischen mit dem sogenannten Blended Learning.

Hierbei wechseln sich Phasen, in denen der Lernende alleine mit digitalen Technologien lernt, mit Phasen, in denen der Lernende sein Wissen am Arbeitsplatz anwenden oder sich bei Präsenzseminaren mit anderen Lernenden austauschen kann, ab.

Was das E-Learning selbst angeht, so setzen die Anbieter auf unterschiedliche Lernmethoden. Von Texten über Online-Aufgaben bis hin zu interaktiven Multimedia-Inhalten ist alles möglich. Welche dieser Methoden dem Lernenden am besten liegt, muss er letztlich für sich selbst herausfinden.

 

Wie viel Zeit nimmt die virtuelle Weiterbildung in Anspruch?

Beim E-Learning ist die Gefahr, den Zeitbedarf falsch einzuschätzen, recht groß. Denn nur weil sich der Lernende die Zeit frei einteilen kann, werden die Lerninhalte ja nicht weniger. Und nur weil er online lernt, lernt er nicht automatisch schneller.

Der Lernende sollte deshalb nachschauen, welche Arbeitszeit pro Woche der Anbieter für die Bearbeitung der Weiterbildung ansetzt. Fehlt diese Angabe, sollte der Lernende beim Anbieter nachfragen. Außerdem sollte der Lernende realistisch für sich einschätzen, ob er die notwendige Zeit für die Online-Weiterbildung neben dem Job, der Familie und dem Haushalt tatsächlich aufbringen kann. Falls nicht, ist er oft besser beraten, wenn er sich für eine Weiterbildung während der Arbeitszeit oder für einen Bildungsurlaub entscheidet.

 

Fazit: Wann ist E-Learning sinnvoll?

Das E-Learning kann eine gute Alternative sein, wenn sich der Lernende neben dem Beruf Wissen aneignen möchte. Bei einem Online-Kurs kann der Lernende selbst festlegen, wann, wo und wie lange er lernt.

Wenn es dem Lernenden liegt, sich die Lerninhalte alleine zu erschließen und das Erlernte eigenständig auf die Praxis zu übertragen, wird er gute Erfolge erzielen. Wichtig ist aber, dass der Lernende die Inhalte seiner Weiterbildung auch wirklich zeitnah nutzen kann. Bei Weiterbildungen, die umfangreicher und über einen längeren Zeitraum ausgelegt sind, empfiehlt sich anstelle eines reinen E-Learnings eher das Blended Learning.

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