Was bleibt an den Schulen vom digitalen Lernen übrig? 1. Teil

Was bleibt an den Schulen vom digitalen Lernen übrig? 1. Teil

Schon seit vielen Jahren steht die Forderung im Raum, dass die Schulen digitaler werden müssen. Die jungen Generationen sollten möglichst früh Medienkompetenz erwerben, damit sie später den Anschluss nicht verlieren. Doch lange Zeit hat sich nicht wirklich viel getan. Als dann Corona kam, musste es plötzlich sehr schnell gehen. Die Pandemie ließ den Schulen gar keine andere Wahl, als aktiv zu werden und Lösungen zu entwickeln.

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Was bleibt an den Schulen vom digitalen Lernen übrig 1. Teil

Nach einigen Monaten im Home-Schooling kehrt an den meisten Schulen etwas Normalität ein und der klassische Präsenzunterricht findet wieder statt. Doch damit stellt sich die Frage, was Schulen, Eltern, Schüler und die Politik aus den Erfahrungen gelernt haben.

Was bleibt an den Schulen vom digitalen Lernen übrig? Werden die positiven Aspekte genutzt und weiter ausgebaut? Oder verpufft der Technologieschub erneut?

Die Digitalisierung als dritte Revolution

Die Digitalisierung ist in aller Munde und inzwischen gibt es kaum eine Situation, in der sie nicht irgendwann als Stichwort fällt. Oft wird die Digitalisierung sogar als dritte Revolution in der Geschichte der Menschheit bezeichnet.

Der erste große Umbruch war die neolithische Revolution. Der Mensch wurde sesshaft, Ackerbau und Viehzucht entstanden. Dann folgte die industrielle Revolution, die die moderne Massengesellschaft erschuf.

Jetzt steht eben die digitale Revolution an. Wie sie sich auf das Leben auswirken wird, kann heute noch niemand vorhersehen. Denn digitale Lösungen halten in immer mehr Lebensbereiche Einzug, Lösungen entwickeln sich weiter, neue Technologien kommen dazu.

Dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten und viele Vorteile. Andererseits kommen Probleme auf, die es bislang so nicht gab.

Vor- und Nachteile der digitalen Lernwelt

Auch wenn digitale Medien längst zum Alltag gehören und Kinder mit Computer, Smartphone & Co. aufwachsen, ist Medienkompetenz kein Selbstläufer. Digitale Bildung muss genauso erworben werden wie jeder andere Wissensbereich.

Aber ist ein digitales Lernumfeld wirklich und in jedem Fall die richtige Lösung? Kann eine Videokonferenz, die technische Ausstattung einmal außen vor gelassen, genauso wirkungsvoll sein wie Präsenzunterricht im Klassenzimmer?

Als Corona begann und das Lernen auf Distanz Fahrt aufnahm, war nicht nur die Erleichterung groß, überhaupt einen Schulunterricht auf die Beine zu stellen. Vielmehr war der klare Tenor, dass digitales Lernen die Lernform der Zukunft ist. Doch je länger der Fernunterricht andauerte, desto mehr zeigte sich, welche Vor- und Nachteile eine digitale Lernumgebung mit sich bringt.

Die Pluspunkte vom digitalen Lernen

Der größte und wichtigste Vorteil war natürlich, dass es digitale Lösungen ermöglichten, den Schulunterricht trotz Corona überhaupt fortzuführen. Obwohl die Schulen vorübergehend geschlossen waren, konnten die Schüler zumindest über die Distanz hinweg am Unterricht teilhaben.

Ein anderer Pluspunkt ist, dass digitale Lernsysteme für Übersicht sorgen. Auf gemeinsamen Plattformen können anstehende Aufgaben mit Inhalten und Abgabeterminen erfasst werden. So haben Schüler und Eltern stets im Blick, was ansteht und bis wann welche Aufgaben bearbeitet sein müssen.

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Gleichzeitig fördert das digitale Lernen die Selbstständigkeit und die Eigendisziplin. Denn die Kids müssen sich alleine hinsetzen und den Schulstoff bearbeiten. Es gibt keinen Lehrer, der durchs Klassenzimmer läuft, über die Schulter schaut und daran erinnert, konzentriert bei der Sache zu bleiben.

Für kleinere Kinder ist es natürlich schwierig, wenn sie auf sich alleine gestellt sind. Doch größere Kinder profitieren unterm Strich davon, wenn sie sich selbstständig zum Lernen motivieren. Denn so lernen sie, Eigenverantwortung zu übernehmen.

Die Schattenseiten der digitalen Lernwelt

Wenn der Laptop am Küchentisch das Klassenzimmer ersetzt, fehlt die Schule als Lernort. Es macht auch vom Gefühl her einen großen Unterschied, ob sich ein Kind morgens anzieht, den Schulranzen packt, auf den Schulweg macht und später im Klassenzimmer sitzt und auf dem Schulhof herumtobt.

Oder ob es sich womöglich noch im Schlafanzug vor den Rechner setzt und in die erste Unterrichtseinheit klickt. So wie es vielen Erwachsenen schwerfiel, sich vom geselligen Büro ans einsame Home-Office zu gewöhnen, vermissten eben auch viele Kinder ihre Schule.

Ein weiterer Minuspunkt ist, dass bei digitalen Lösungen oft das Zwischenmenschliche auf der Strecke bleibt. Im Klassenzimmer schaut der Lehrer in die Gesichter der Kinder und kann einschätzen, ob die vermittelten Inhalte angekommen sind. Auf Fragen kann er direkt reagieren. Auf dem Bildschirm geht das Nonverbale verloren.

Denn zum einen ist die Übertragung von Bild und Ton oft etwas zeitversetzt. Und zum anderen scheitert so manche Videokonferenz schlichtweg daran, dass die Bandbreite für eine eingeschaltete Kamera nicht ausreicht.

Ein anderer Aspekt ist, dass die Konzentration bei digitalen Medien schneller nachlässt. Es ist anstrengender, stundenlang auf einen Bildschirm und die Tastatur zu schauen, als in einem Buch zu lesen und mit einem Stift zu schreiben.  Auch deshalb kommt es beim Home-Schooling schneller zu Ablenkungen.

Schließlich ist es ziemlich einfach, mal eben übers Smartphone einen Blick in die sozialen Netzwerke zu werfen oder sich ein Video anzuschauen, während auf dem Bildschirm eine Online-Unterrichtsstunde stattfindet. Im Klassenzimmer funktioniert das so nicht.

Und nicht zuletzt zeigte sich, dass die Lernmotivation stetig abnahm. Zu Beginn der Corona-Krise war es noch neu und spannend, über den Computer unterrichtet zu werden.

Außerdem waren viele Kinder froh, dass sie zumindest eine Zeit lang eine sinnvolle Beschäftigung hatten, wenn sie schon Zuhause bleiben mussten. Doch je länger der Fernunterricht andauerte, desto schwerer fiel es, sich zum Lernen aufzuraffen.

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Bernhard Staube, 48 Jahre, Inhaber Agentur für Schülerhilfe, Sabine Menkemann, 43 Jahre, Lehrkraft Deutsch/ Mathe, Matthias Kurz, 39 Jahre, Pädagoge berufsbildene Schule, sowie Christian Gülcan Betreiber und Redakteur dieser Seite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zum Thema Bildung, Lernen, Schulen und Weiterbildung.

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