Was bleibt an den Schulen vom digitalen Lernen übrig? 2. Teil

Was bleibt an den Schulen vom digitalen Lernen übrig? 2. Teil

Medienkompetenz ist für die künftigen Generationen praktisch unverzichtbar. Und die Digitalisierung ist in so ziemlich allen Lebensbereichen ein ständig besprochenes Thema. Kein Wunder also, dass auch für die Schulen schon lange ein digitaleres Lernumfeld gefordert wird. Doch wirklich viel passiert, ist nicht. Erst durch Corona hat die Forderung echten Aufschwung bekommen. Nun, einige Monate später, scheint die Pandemie abzuklingen und die Normalität langsam zurückzukehren.

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Was bleibt an den Schulen vom digitalen Lernen übrig 2. Teil

Die Schulen sind geöffnet und der altbewährte Präsenzunterricht findet statt. Aber was bleibt vom digitalen Lernen übrig? Gelingt es, an die Erfahrungen anzuknüpfen, die Erkenntnisse aus der Krise zu nutzen und die Technologien weiter auszubauen? Oder fällt die digitale Lernwelt wieder in einen Dornröschenschlaf?

Solchen Fragen gehen wir in einem zweiteiligen Beitrag nach. Dabei haben wir im 1. Teil die Vor- und die Nachteile vom digitalen Lernen beleuchtet.

Hier ist der 2. Teil!:

Viel ist vom digitalen Lernen nicht geblieben

Ein Blick in die Klassenzimmer ist ernüchternd. Kaum waren die Schulen wieder für alle Schüler offen, ging es zurück zum klassischen Präsenzunterricht. Die digitalen Hilfsmittel und Plattformen, die während der Corona-Krise gute Dienste geleistet hatten, wurden wortwörtlich vom Netz genommen. Alles war wieder wie früher, vom Technologieschub blieb kaum etwas übrig.

Bei einer realistischen Bilanz ist unbestritten, dass Kinder und Jugendliche den direkten Austausch brauchen. Keine Videokonferenz kann echte soziale Kontakte ersetzen. Digitales Lernen ist keine Alternative, sondern lediglich eine sinnvolle Ergänzung. Trotzdem gibt es einige digitale Werkzeuge, die erhalten bleiben sollten.

Ein Beispiel dafür sind die Hausaufgaben. Statt sie mündlich zu nennen, an die Tafel zu schreiben oder in Form von kopierten Arbeitsblättern zu verteilen, können sie auch weiterhin in digitale Gemeinschaftstools eingetragen werden. Andersherum können die Schüler sie dort auch abgeben. Gerade für lernschwächere Schüler oder Schüler mit Handicap ist das eine große Erleichterung.

Generell kann in den Schulen viel Papier eingespart werden, wenn digitale Gemeinschaftstools erhalten bleiben. Stehen Arbeitsblätter, Referate, Hausarbeiten und andere Medien digital bereit, sind sie ordentlich und übersichtlich an einem Ort gebündelt. Die Gefahr, dass eine Kopie irgendwo in den Untiefen des Schulranzens verloren geht, ist damit minimiert.

Sinnvoll ist auch, Schulbücher zu digitalisieren und auf einer Plattform bereitzustellen. So kann ein Schüler zu Hause lernen, selbst wenn er seine Unterlagen in der Schule vergessen hat. Nebenbei wäre es eine finanzielle Entlastung für die Eltern, wenn sie nicht jedes Jahr gedruckte Schulbücher kaufen müssen.

Ein digitales Lernumfeld könnte außerdem eine Art Hybridunterricht ins Leben rufen. Dabei könnte ganz normaler Präsenzunterricht im Klassenzimmer stattfinden. Gleichzeitig könnten Schüler, die zum Beispiel erkrankt sind oder in Quarantäne mussten, mittels Kamera und Mikrofon zugeschaltet sein.

Natürlich kann dabei die Technik hin und wieder versagen. Aber es wäre zumindest ein Ansatz, um Schülern eine Teilhabe zu ermöglichen, die warum auch immer nicht vor Ort sein können.

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Keine Kraftakte

Corona und die damit verbundenen Einschränkungen haben Eltern und Schüler genauso vor Herausforderungen gestellt wie das plötzlich eingeführte Home-Schooling. Viele haben deshalb erwartet, dass sich ein Großteil der Probleme automatisch in Luft auflöst, sobald die Schulen wieder öffnen. Doch das war und ist ein Trugschluss.

Nachdem Kinder und Jugendliche über mehrere Monate hinweg zunächst nur Fernunterricht hatten und danach im Wechselunterricht oder Schichtbetrieb lernten, dauert es eine Weile, bis sie sich wieder an den klassischen Schulalltag gewöhnen.

Zwar ist auf der einen Seite die Freude groß, wieder Teil des Klassenverbands zu sein. Aber zusammen mit den Mitschülern im lauten Klassenzimmer zu sitzen, ist etwas anderes, als alleine am heimischen Küchentisch zu lernen. Und längst nicht alle Kinder sind unbeschwert und machen sich keine Sorgen, dass sie sich anstecken könnten. Vielmehr schwingt oft eine gewisse Unsicherheit mit.

Umso wichtiger wäre deshalb, den Schülern die Zeit für eine Art Reintegration zu geben. Doch stattdessen wird oft gebetsmühlenartig wiederholt, dass nun das Versäumte nachgeholt, Wissenslücken geschlossen und der Lehrplan erfüllt werden muss.

Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass durch Corona der Leistungsstand oft hinter dem Sollwert liegt. Aber die Lücken, die entstanden sind, betreffen alle Schüler. Schulstoff von mehreren Monaten auf Biegen und Brechen durchpauken zu wollen, wird nicht funktionieren. So einen Kraftakt schaffen bestenfalls sehr gute Schüler. Für lernschwache Schüler wird die Überforderung nur noch größer.

Daran werden auch Lerncamps oder Ferienschulen nicht viel ändern. Zumal die Kinder und Jugendlichen, die Eltern und auch die Lehrer während Corona keine freien Tagen genossen haben.

Sie haben ganz normal weitergearbeitet, nur eben unter anderen, oft erschwerten Bedingungen. Allein schon deshalb sollten die Ferien Ferien bleiben.

Übrigens:

In modernen Schulgebäuden wurden die altbewährten Schultafeln durch sogenannte White-Boards ersetzt. Doch die gute, alte Schultafel ist der Grund dafür, dass es in Klassenzimmern Waschbecken gibt.

Wären sie auch abgeschafft, könnten sich die Schüler im Klassenzimmer nicht die Hände waschen. Lange Schlangen in den Toilettenräumen zum Händewaschen sind angesichts von Corona aber kontraproduktiv.

Soll heißen: Am Ende wird es darauf ankommen, einen guten Mittelweg zu finden. Nicht alles Altbewährte ist schlecht und muss unbedingt reformiert und digitalisiert werden. Aber es gibt genug Ansatzpunkte, wo moderne Technik eine große Hilfe sein kann. Es geht also nicht um ein Entweder-Oder. Das Ziel sollte sein, das Beste aus der analogen und der digitalen Lernwelt miteinander zu verknüpfen.

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Bernhard Staube, 48 Jahre, Inhaber Agentur für Schülerhilfe, Sabine Menkemann, 43 Jahre, Lehrkraft Deutsch/ Mathe, Matthias Kurz, 39 Jahre, Pädagoge berufsbildene Schule, sowie Christian Gülcan Betreiber und Redakteur dieser Seite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zum Thema Bildung, Lernen, Schulen und Weiterbildung.

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