Wie Schüler in 3 Schritten lernen, sich besser zu konzentrieren, Teil 2

Wie Schüler in 3 Schritten lernen, sich besser zu konzentrieren, Teil 2

Wenn Schüler nicht konzentriert bei der Sache sind, kann das verschiedene Gründe haben. Fehlendes Interesse oder zu viele Ablenkungen sind als Ursachen genauso denkbar wie Müdigkeit, zu wenig Bewegung oder die falsche Ernährung.

Wie Schüler in 3 Schritten lernen, sich besser zu konzentrieren, Teil 2

In den meisten Fällen besteht aber überhaupt kein Anlass zur Sorge. Denn eine ernsthafte Konzentrationsschwäche liegt nur sehr selten vor. Viel öfter ist es so, dass sich die Kids durchaus gut konzentrieren können, wenn sie wollen.

Außerdem lässt sich das Konzentrationsvermögen durch ein gezieltes Training steigern.

In einem zweiteiligen Beitrag zeigen wir, wie Schüler in drei Schritten lernen, sich besser zu konzentrieren. Dabei haben wir in Teil 1 erklärt, warum die Konzentration und die Motivation eng miteinander verknüpft sind.

Und wir haben erläutert, dass der erste Schritt zu mehr Konzentration darin besteht, herauszufinden, was den Schüler am aufmerksamen und fokussierten Lernen hindert.

Weiter geht es nun mit Teil 2!:

  1. Schritt: Die Störfaktoren beseitigen.

Zumindest eine gewisse Motivation, sich mit dem Lernstoff auseinanderzusetzen, ist die Grundvoraussetzung für ein konzentriertes Arbeiten. Doch Motivation alleine ist nicht alles.

Denn selbst wenn der Schüler eigentlich motiviert ist, kann es ihm schwerfallen, sich auf das Lernen zu konzentrieren.

Dabei gibt es eine Reihe von Faktoren, die es ihm unnötig schwermachen können, den Einstieg zu finden: 

Ablenkung

Geräusche, Musik, Arbeiten im Haushalt, andere Kinder, der Blick aus dem Fenster: Es gibt viele Dinge, die den Schüler vom Lernen ablenken können. Wichtig ist deshalb ein Arbeitsplatz, an dem der Schüler ruhig und ungestört arbeiten kann.

Ein Schreibtisch, der mitwächst, ein vernünftiger Schreibtischstuhl, eine gute Beleuchtung am besten mit Tageslicht und Lernmittel, die übersichtlich bereitliegen, schaffen die richtige Basis.

Außerdem sollten die Eltern darauf achten, dass der Schüler nicht dauernd unterbrochen wird. Die kleinen Geschwister dürfen eben nicht ins Kinderzimmer hereinplatzen, solange der Schüler über den Hausaufgaben sitzt. Und auch der Staubsauger muss halt warten.

Medien

Schaut ein Schüler viel Fernsehen oder daddelt er oft am Computer, ist sein Gehirn auf schnell wechselnde Reize programmiert. Das mag zwar für die Reaktion nützlich sein, erschwert aber die Konzentration. Deshalb sollte es für den Medienkonsum klare Regeln geben.

Ein Smartphone wiederum kann selbst dann ablenken, wenn es ausgeschaltet ist. Denn der Schüler schaut instinktiv regelmäßig auf das Gerät. Deshalb sollte das Smartphone außer Sichtweite sein.

Denn Priorität hat in diesem Moment das Lernen. Und wenn die Lerneinheit abgeschlossen ist, hat der Schüler alle Zeit der Welt, um seine Nachrichten abzurufen.

Müdigkeit

Wenn der Körper nicht fit ist, ist auch der Geist nur eingeschränkt leistungsfähig. Vor allem Jugendliche haben in den ersten Schulstunden so ihre Schwierigkeiten, weil sie oft zu wenig Schlaf abbekommen.

Das liegt daran, dass sich der Biorhythmus in der Pubertät verschiebt und neu einpendelt. Komplett beheben, lässt sich dieses Problem deshalb nicht.

Einen hilfreichen und wirkungsvollen Tipp gibt es aber trotzdem: Spätestens eine Stunde vor dem Schlafengehen sollten Handy, Computer, Fernseher & Co. ausgeschaltet werden. Denn das Blaulicht in den Bildschirmen und Displays hält wach und macht folglich auch das Einschlafen schwerer.

Stress

Streit mit der besten Freundin, Zoff mit dem Kumpel, Konflikte in der Familie oder Probleme und Sorgen sind alles Faktoren, die belasten. Und die Belastung blockiert den Kopf.

Denn der Schüler konzentriert sich nicht aufs Lernen, sondern macht sich Gedanken über die Situation. Abhilfe schafft hier letztlich nur ein klärendes Gespräch, durch das dann auch der Kopf wieder frei wird.

Übertriebener Leistungsdruck ist ebenfalls ein Stressfaktor. Konzentration lässt sich nicht erzwingen. Und je mehr sich der Schüler selbst unter Druck setzt oder mit Erwartungen konfrontiert sieht, desto schwerer fällt es ihm, sich auf den Lernstoff zu fokussieren.

Zu wenig Bewegung

Ausgelassen zu toben oder sich sportlich zu betätigen, bringt die Durchblutung in Schwung. Und weil auch das Gehirn besser durchblutet ist, fällt die Konzentration leichter.

Vor allem in anstrengenden Lernphasen sollte der Schüler deshalb zwischendurch immer mal wieder frische Luft schnappen gehen, etwas herumturnen oder wenigstens vom Schreibtisch aufstehen und ein bisschen herumlaufen.

Auf diese Weise bewegt er sich nicht nur, sondern macht nebenbei auch eine Pause. Pausen zwischen den Lerneinheiten sind sehr wichtig, damit das Gehirn kurz entspannen, das Gelernte verarbeiten und dann wieder konzentriert weitermachen kann.

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Ungesunde Ernährung

Damit das Gehirn leistungsfähig ist, braucht es Flüssigkeit und Energie. Softdrinks, Fast Food und Süßigkeiten helfen zwar kurzzeitig. Doch so schnell wie die Zuckerkurve nach oben schießt, so schnell fällt sie auch wieder ab. Besser ist deshalb, wenn der Schüler normales Mineralwasser, Fruchtschorlen oder ungesüßte Tees trinkt.

Optimale Energielieferanten sind komplexe Kohlenhydrate. Sie stecken zum Beispiel in Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.

Wichtig ist außerdem, dass sich die Familie zum Essen zusammensetzt. Gemeinsame Mahlzeiten sorgen dafür, dass sich ein Kind geborgen fühlt und zufriedener ist. Das wiederum macht es leichter, sich zu motivieren und zu konzentrieren.

Positive Emotionen

Nicht nur negative Dinge können die Konzentration behindern. Freut sich der Schüler zum Beispiel auf seine Geburtstagsparty am Wochenende, das anstehende Sportfest in der Schule oder den nahenden Familienurlaub, kann er leicht abgelenkt sein.

Und auch wenn der Schüler frisch verliebt ist, werden die Matheaufgaben zur Nebensache.

Es ist normal und völlig in Ordnung, wenn der Schüler auch einmal andere Dinge im Kopf hat als das Lernen. Denn positive Dinge machen glücklich. Und wenn es dem Schüler gut geht, lernt er letztlich leichter.

  1. Schritt: Die Konzentration trainieren.

Sind die Störfaktoren erst einmal so gut wie möglich aus dem Weg geräumt, sind die Weichen für eine bessere Konzentration gestellt.

Dann kann sich der Schüler damit befassen, an seiner Konzentrationsfähigkeit zu arbeiten. Denn nur weil es nichts gibt, was ablenkt oder stört, ist der Schüler nicht automatisch auch fokussiert.

Grundsätzlich setzt schon die Biologie dem Konzentrationsvermögen Grenzen. Ein Schüler kann umso länger konzentriert bei einer Sache bleiben, je älter er ist.

Als Faustregel hier gilt, dass sich ein Schüler ungefähr doppelt so viele Minuten auf etwas konzentrieren kann, wie er in Jahren alt ist. Ein sechsjähriger Erstklässler beispielsweise kann demnach höchstens eine Viertelstunde lang konzentriert arbeiten, ein 15 Jahre alter Jugendlicher schafft etwa eine halbe Stunde.

Ob und wie gut der Schüler sein Potenzial abruft, hängt aber auch davon ab, wie gut er im Training ist. Konzentration lässt sich nämlich lernen und üben. Nur funktioniert das nicht so gezielt wie beim Aufbau eines Muskels. Denn das Denken ist ein komplexer Vorgang.

Wenn sich jemand konzentriert, greift er auf ein Netzwerk aus verschiedenen Gehirnregionen mit jeweils eigenen Funktionen zurück.

Er ist aufmerksam und gleichzeitig entspannt, nimmt einige Reize bewusst wahr und blendet andere Reize gezielt aus. Je häufiger jemand dieses Zusammenspiel anwendet, desto besser klappt es.

Um die Konzentration zu trainieren, machen deshalb auch Aktivitäten Sinn, die nicht mit dem Schulstoff zusammenhängen. Das Gehirn kümmert sich zwar immer nur um das, womit es gerade beschäftigt ist.

Wenn der Schüler zum Beispiel Rätsel löst, wird er immer besser im Rätsellösen. Lernt er ein Gedicht auswendig, kann er später dieses Gedicht auswendig aufsagen. Und wenn er ein Musikstück übt, sitzen die Töne irgendwann. Doch die Englischnote wird dadurch nicht besser, zumindest nicht direkt.

Trotzdem haben die Übungen einen Effekt. Denn das Gehirn trainiert, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Außerdem fördert das Erfolgserlebnis die Motivation.

Kommen dann noch ein paar Grundfertigkeiten dazu, etwa der Umgang mit Sprache, wird es auch im Englischunterricht leichter, sich darauf zu konzentrieren.

Die vielleicht beste Konzentrationsübung überhaupt ist das Lesen. Denn kaum eine andere geistige Tätigkeit fordert so viel Aufmerksamkeit.

Schließlich muss das Gehirn beim Lesen
mehrere Dinge gleichzeitig tun:

die Wörtern entschlüsseln, den Satzbau analysieren, die Sprache einordnen, das Vorwissen abrufen, neue Erkenntnisse erfassen, Bilder erzeugen, Emotionen wecken. Auf diese Weise entsteht ein optimaler Trainingseffekt.

Es gibt aber noch viele andere Möglichkeiten für ein Kopf-Training. Wortspiele und Silbenrätsel beispielsweise steigern das Wortverständnis, Zahlenreihen üben den Umgang mit Zahlen. Labyrinthe und Wimmelbilder trainieren das bewusste Sehen, Malbücher schulen die Feinmotorik.

Doch für alle Übungen gilt, dass sie nur dann etwas bringen, wenn der Schüler Spaß daran hat. Denn ohne Spaß fehlt die Motivation. Und dann wird die Konzentration zu einer anstrengenden und ungeliebten Kraftprobe.

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Bernhard Staube, 48 Jahre, Inhaber Agentur für Schülerhilfe, Sabine Menkemann, 43 Jahre, Lehrkraft Deutsch/ Mathe, Matthias Kurz, 39 Jahre, Pädagoge berufsbildene Schule, sowie Christian Gülcan Betreiber und Redakteur dieser Seite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zum Thema Bildung, Lernen, Schulen und Weiterbildung.

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