Schlechtes Schulzeugnis: Ein kleiner Ratgeber für die Eltern

Schlechtes Schulzeugnis: Ein kleiner Ratgeber für die Eltern

Es gibt nur wenige Themen, die regelmäßig für so viel Gesprächsstoff in der Familie sorgen wie die Schule und die Noten. Vor allem wenn die Schulnoten schlechter werden und das Zeugnis eher bescheiden ausgefallen ist, sehen die Eltern oft Handlungsbedarf.

Schulzeugnis schlecht

Allerdings bringen irgendwelche Schnellschüsse oder gar Strafen niemanden weiter. Das heißt natürlich nicht, dass es den Eltern egal sein sollte, wie sich ihr Nachwuchs in der Schule macht. Nur kommt es eben auf die richtige Reaktion an.

Hier ist ein kleiner Ratgeber für die Eltern,
wenn ihrem Kind ein schlechtes Schulzeugnis droht:

 

Eine Ehrenrunde als Chance?

Eine Fünf in Mathe, dazu noch eine Fünf Erdkunde – und schon ist die Versetzung ernsthaft gefährdet. Die genauen Regelungen dazu, wann ein Schüler ein Schuljahr wiederholen muss, sind je nach Bundesland und Schulform verschieden.

So kann der Schüler in einigen Bundesländern bis zu drei Fünfen im Zeugnis mit guten Leistungen in anderen Fächern ausgleichen, in anderen Bundesländern sind es nur zwei Fünfen. In manchen Bundesländern führt eine Sechs im Zeugnis immer zu einer Ehrenrunde, in anderen Bundesländern kann auch eine Sechs noch ausgeglichen werden.

In der gymnasialen Oberstufe wiederum gibt es kein Sitzenbleiben mehr. Ist das Abitur gefährdet, kann der Schüler das Schuljahr aber freiwillig wiederholen. Muss der Schüler eine zweite Ehrenrunde drehen, weil er das gleiche oder das darauffolgende Schuljahr nicht geschafft hat, raten Experten oft dazu, über einen Schulwechsel nachzudenken. Denn möglicherweise wäre der Schüler in einer anderen Schulform besser aufgehoben.

Jedenfalls gehen die Meinungen über das Wiederholen eines Schuljahres weit auseinander. Befürworter sehen darin eine sinnvolle Motivation. Der Schüler muss sich zwar neu orientieren und in einem anderen Klassenverband zurechtfinden.

Aber er hat einen Wissensvorsprung und muss nicht mehr alles neu lernen. Stattdessen kann er sich auf den Lernstoff konzentrieren, der ihm Schwierigkeiten gemacht oder den er versäumt hat. Und durch die Ehrenrunde hat der Schüler die Chance, den angestrebten Schulabschluss zu erreichen – wenn auch ein Jahr später.

Kritiker hingegen halten es für ungerecht und wenig sinnvoll, einen Schüler nicht zu versetzen. Denn ein Schüler, der sitzengeblieben ist, bleibt oft der Außenseiter in der Klasse und muss sich Hänseleien gefallen lassen.

Das Gefühl, es nicht geschafft zu haben, kann die persönliche Lernsituation noch zusätzlich erschweren. Und längst nicht immer sind Schwierigkeiten mit dem Lernstoff die Ursache für die schlechten Noten. In diesem Fall wird sich allein durch eine Ehrenrunde wenig ändern.

Unterm Strich gibt es keinen Königsweg. Denn jeder Schüler ist anders. Während der Druck, das Schuljahr wiederholen zu müssen, einen Schüler durchaus motivieren kann, macht er bei einem anderen Schüler die ganze Situation möglicherweise nur noch schlimmer. So oder so geht die Welt aber nicht unter – weder bei schlechten Noten noch bei einer Nicht-Versetzung.

 

Die Ursachen finden

Ein schlechtes Schulzeugnis sorgt in vielen Familien für eine ebenso schlechte Stimmung. Doch gerade in solchen Krisen ist es wichtig, dass die vertrauensvolle Beziehung erhalten bleibt. Sich Zeit für das Kind nehmen, viele Gespräche führen, Konflikte austragen und auch einmal enttäuscht, genervt oder wütend sein – all das gehört in diesen Zeiten zur Eltern-Kind-Beziehung dazu.

Natürlich möchten die Eltern, dass ihr Kind in der Schule gut zurechtkommt und sich seine Noten zumindest im soliden Mittelfeld bewegen. Und selbstverständlich sollten die Eltern aufhorchen, wenn sich die schulischen Leistungen plötzlich oder stetig verschlechtern.

Das Ziel sollte dann aber sein, die Ursache für die schlechten Schulnoten zu ermitteln. Denn erst wenn klar ist, was zum Leistungsabfall geführt hat, können entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Gleichzeitig stellt sich dann heraus, ob überhaupt eine konkrete Reaktion notwendig ist – oder ob sich die Sache nicht schon bald wieder ganz von selbst erledigt hat.

Was die Ursachen für schlechte Schulnoten angeht, gibt es viele Möglichkeiten:

  • Computerspiele, Abhängen mit Freunden, das erste Verliebtsein, Stress mit Mitschülern, Liebeskummer, eine Null-Bock-Stimmung: Im Leben eines Heranwachsenden gibt es immer wieder Phasen, in denen so ziemlich alles andere wichtiger ist als die Schule. Klar, dass die Leistungen nachlassen, wenn der Nachwuchs in Gedanken ständig woanders ist. In solchen Fällen hilft meist schon ein klärendes Gespräch, vielleicht verbunden mit ein paar Vereinbarungen oder Regeln.
  • Manchmal ist das familiäre Umfeld der Auslöser für die schlechten Noten. Streit mit den Geschwistern, eine Trennung der Eltern, eine ungeschickte Wohnsituation, ein Umzug oder ein Todesfall im nahen Umfeld sind Beispiele für Szenarien, die dem Nachwuchs zusetzen und sich auch in den Schulleistungen widerspiegeln können. Auch hier können Gespräche sehr hilfreich sein.
  • Denkbar ist, dass die Eltern nicht erkennen, dass ihr Kind mit dem Lernstoff überfordert ist. Oder dass sie ihren Nachwuchs beim Lernen für die Schule nicht unterstützen können oder wollen. Sei es, weil sie selbst keinen entsprechenden Bildungshintergrund haben, weil sie lange Schulbesuche für überflüssig halten oder weil sie erwarten, dass ihr Kind alleine einen Weg findet.
  • Vor allem in der Pubertät sind Kinder und Jugendliche leicht zu beeinflussen. Und die Versuchung, die Grenzen auszuloten und neue, gerne auch verbotene Dinge auszuprobieren, ist groß. Schlechtes Benehmen von „falschen“ Freunden kann schnell auf ein Kind abfärben. Wichtig an dieser Stelle ist, dass es klare Regeln und Absprachen gibt, an die sich das Kind und die Eltern gleichermaßen halten müssen. Außerdem sollten die Eltern das Selbstbewusstsein ihres Kindes stärken, damit es im richtigen Moment auch „Nein!“ sagen kann.
  • Es ist gar nicht so selten, dass eine Lese- oder Rechtschreibschwäche lange Zeit unerkannt bleibt. Denn zu Beginn der Schulzeit kann ein Schüler solche Defizite oft noch recht gut kompensieren. Erst wenn der Lernstoff anspruchsvoller wird und immer mehr Inhalte in zunehmend kürzerer Zeit gelernt werden müssen, kommt der betroffene Schüler nicht mehr mit. Als logische Konsequenz bleiben dann die Lernerfolge zunehmend aus und der Notendurchschnitt sinkt.

Hilfe in Anspruch nehmen

Je nachdem, warum die Schulnoten nicht wirklich berauschend sind, kann es natürlich sinnvoll sein, Nachhilfe in Anspruch zu nehmen. Allerdings sollten die Eltern hier keine Entscheidungen im Alleingang fällen, sondern berücksichtigen, was ihr Kind braucht.

Nachhilfe ist nämlich nicht nur eine gezielte Förderung, bei der es um Lernstoff geht. Damit die Nachhilfe zum gewünschten Erfolg führt, muss das Kind vielmehr bereit sein, sich auf die Unterstützung einzulassen und die Hilfe anzunehmen. Deshalb sollten die Eltern mit ihrem Kind absprechen, welche Form von Nachhilfe es werden soll. Ein Student oder pensionierter Lehrer als privater Nachhilfelehrer, ein Klassenkamerad oder ein älterer Mitschüler, ein professioneller Anbieter oder Online-Nachhilfe?

Das Angebot ist groß, so dass sich sicher etwas finden lässt. Allerdings sollten die Eltern eines im Hinterkopf behalten: Zwei, drei Nachhilfestunden machen aus dem Kind keinen Musterschüler mit lauter Einsen. Es dauert seine Zeit, bis sich das Lernverhalten so umgestellt hat, dass erste Erfolge sichtbar werden.

Und: Auch die Eltern sollten sich nicht davor scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn sie alleine nicht weiterkommen. Der Klassenlehrer kann ein guter Ansprechpartner sein, ebenso wie Eltern von gleichaltrigen Kindern. Daneben können sich die Eltern beispielsweise beim Elterntelefon des Deutschen Kinderschutzbundes den ganzen Frust von der Seele quatschen.

Die Beratung hier ist kostenlos, vertraulich und erfolgt auf Wunsch komplett anonym. Denn gerade während der Pubertät kann der Nachwuchs die Nerven der Eltern auf eine harte Probe stellen. Die Meinung der Kumpels oder Freundinnen zählt mehr als die Absprachen mit den Eltern, der Teenager ist zickig, undankbar und lässt sich nichts sagen.

Er will einfach nicht erkennen, dass es die Eltern doch nur gut meinen. Auch solche Verhaltensweisen sind aber wichtig, denn sie tragen dazu bei, dass sich die Persönlichkeit ausprägt. Genauso muss sich ein Kind irgendwann abnabeln – und die Eltern müssen ihm die Chance dazu geben. Doch manchmal geht alles mit fremder Hilfe ein bisschen leichter.

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Veröffentlicht von

Redaktion

Bernhard Staube, 48 Jahre, Inhaber Agentur für Schülerhilfe, Sabine Menkemann, 43 Jahre, Lehrkraft Deutsch/ Mathe, Matthias Kurz, 39 Jahre, Pädagoge berufsbildene Schule, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zum Thema Bildung, Lernen, Schulen und Weiterbildung.

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