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Vom Klassenprimus zum Mobbing-Opfer – was tun?

 

Gute Noten in der Schule und später ein entsprechend guter Schulabschluss schaffen die Basis für die berufliche Zukunft. Schließlich stehen die Chancen auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz im Wunschberuf deutlich besser, wenn der Schulabgänger einen guten oder zumindest ordentlichen Notendurchschnitt vorweisen kann.

Kein Wunder also, dass es verschiedenste Möglichkeiten gibt, durch die Schüler mit schlechten Noten gezielt gefördert werden können. Dies fängt bei einfachen Lerntipps an, geht mit Ratgebern rund um Lernmethoden weiter und endet bei Förderunterricht in der Schule oder privater Nachhilfe.

Grundsätzlich ist natürlich nichts gegen die Unterstützung von lernschwächeren Schülern einzuwenden. Doch die Schüler mit den richtig guten Noten geraten dabei ein wenig in Vergessenheit – obwohl es gerade sie sind, die nicht selten zu den Außenseitern werden.

 

Die Klassenbesten haben es oft nicht leicht.

Auf der einen Seite wird ständig erzählt, wie wichtig Bildung ist und dass sich Bildung eben auch ein Stück weit durch gute Noten in der Schule äußert. Eltern sind stolz, wenn ihr Kind gute Noten mit nach Hause bringt und belohnen ein gutes Zeugnis gerne auch entsprechend. Lehrer mögen Schüler mit guten Noten, denn wenn Schüler dem Unterricht problemlos folgen können, ist dies irgendwo auch eine Bestätigung für ihre Arbeit.

Doch die Realität im Klassenzimmer sieht häufig anders aus. Schüler mit guten Noten sind zwar bei Eltern und Lehrern beliebt, bei ihren Mitschülern jedoch oft nicht. Besonders gegen Ende der Grundschulzeit und in der Mittelstufe kann es schwierig werden. Im Alter zwischen etwa 8 und 15 Jahren sind die heranwachsenden Jugendlichen auf der Suche nach ihrer Rolle in der Klasse. Sie möchten sich behaupten und Anerkennung erfahren.

Eine Eins in Mathe, Geschichte oder Latein scheint dafür aber nicht unbedingt das richtige Mittel zu sein. Cool ist vielmehr, wer alles auf die leichte Schulter nimmt, im Unterricht macht, was er will, dem Lehrer freche Widerworte gibt, sich auf dem Schulhof Respekt verschafft oder im Sport die entscheidenden Siegtreffer erzielt.

Wer hingegen immer gute Noten schreibt und fleißig im Unterricht mitarbeitet, ist nicht cool, sondern ein Streber. Und als Streber hat ein Schüler meist nicht viele Freunde.

 

Gute Schüler sind auf sich alleine gestellt.

Hierzulande stellen sowohl die Politik als auch die Gesellschaft schon seit Jahrzehnten das untere Ende der Leistungsskala in den Mittelpunkt. Es wird ständig nach Mitteln und Wegen gesucht, wie lernschwache Schüler besser gefördert werden können. Es werden Ansätze diskutiert, wie der Unterricht so gestaltet werden kann, dass ihm alle Schüler folgen können. Das Notensystem wird in Frage gestellt, ebenso wie die traditionellen Schulformen.

Es wird mitunter suggeriert, dass selbst ein sehr guter Hauptschulabschluss kaum etwas wert ist, mindestens ein Realschulabschluss sollte es schon sein. Die Schüler mit den guten Noten geraten dabei aber aus dem Blickfeld. Offensichtlich kommen sie mit dem System ja gut zurecht und brauchen deshalb keine besondere Unterstützung. In anderen Ländern ist dies anders. In Großbritannien oder Asien etwa ist Streber kein Schimpfwort.

Ganz im Gegenteil sind es gerade die Klassenbesten, die Anerkennung und Bewunderung erfahren. Sie sind diejenigen, die cool sind, es geschafft haben und denen nachgeeifert wird. Auch in den USA werden die Besten gezielt unterstützt und mit Auszeichnungen geehrt. Das soll natürlich nicht heißen, dass lernschwache Schüler nicht gefördert werden sollen.

Nur sollten die guten Schüler von all den Bemühungen, das Bildungssystem zu reformieren, vielleicht nicht komplett ausgeklammert werden.

 

Vom Klassenprimus zum Mobbing-Opfer – was tun?

Vielen Eltern und auch Lehrern ist oft nicht klar, dass der Klassenprimus schnell zum Mobbing-Opfer werden kann. Eltern wünschen sich nicht nur gute Noten von ihrem Kind, sondern belohnen gute Leistungen auch. An sich ist das nichts Schlechtes, denn für die Motivation und als Anerkennung des Engagements sind Belohnungen wichtig und richtig.

Problematisch wird es aber dann, wenn sich eine gewisse Arroganz einstellt und das Kind beginnt, sich schlauer zu fühlen als seine Mitschüler. Besserwisserei katapultiert einen Schüler sehr schnell ins Abseits. Fingerspitzengefühl ist auch von Seiten der Lehrer gefragt. Natürlich ist es angenehm, wenn der Lehrer weiß, dass er zwei, drei Schüler in seiner Klasse hat, die immer ordentlich mitarbeiten, stets ihre Hausaufgaben gemacht haben und die richtigen Antworten geben können.

Werden leistungsstarke Schüler zu sehr hervorgehoben, haben sie aber schnell den Ruf, des Lehrers Lieblinge zu sein. Dies wiederum kann die Situation in der Klasse schnell kippen lassen, denn es kommt zu Neid. Außerdem sind die Klassenbesten in der Unterzahl und werden so zur Zielscheibe für diejenigen, die ihre Enttäuschung oder ihren Frust über die eigenen, weniger guten Leistungen irgendwo ablassen möchten.

Oft beginnt dann ein Teufelskreis. Über den Klassenprimus wird gelästert, er wird von gemeinsamen Aktivitäten ausgeschlossen, manchmal werden ihm seine Sachen weggenommen, mitunter wird er auch offen beschimpft oder gar körperlich angegriffen. Durch die Attacken zieht sich der Schüler immer weiter zurück, oft versteckt er sich hinter seinen Büchern.

Dies treibt die anderen jedoch zu noch mehr Spott und Häme an. Erschwerend kommt hinzu, dass Konflikte heute nicht mehr nur noch im Klassenzimmer oder auf dem Schulhof ausgetragen werden. Stattdessen wird das Internet zunehmend zum Schauplatz für Attacken.

Aber was kann ein Schüler tun, wenn er aufgrund seiner guten Noten zum Opfer von Mobbing wird? Der erste und wichtigste Tipp lautet, ein gesundes Selbstbewusststein zu entwickeln. Der Schüler muss lernen, auf seine Leistungen stolz zu sein, ohne dabei aber besserwisserisch oder arrogant aufzutreten.

Es kann helfen, wenn sich der Schüler an das gute alte Sprichwort erinnert, nach dem er für sich selbst und nicht für die Schule lernt. Der zweite Tipp ist, das Gespräch zu suchen. Traut es sich der Schüler nicht alleine zu, kann er sich an seinen Lehrer oder seine Eltern wenden.

In einem Gespräch kann er seine Mitschüler gezielt fragen, was sie an seinen guten Noten stört und warum sie ein Problem damit haben. Manchmal lassen sich die Konflikte so aus der Welt schaffen. Helfen alle Gespräche mit den Mitschülern und dem Lehrer nichts, bleibt als letzter Ausweg die Möglichkeit, die Schule zu wechseln und in einer neuen Klasse noch einmal von vorne anzufangen.

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