Warum Noten nicht überbewertet werden sollten und eine 4 eigentlich positiv ist, Teil 2

Warum Noten nicht überbewertet werden sollten und eine 4 eigentlich positiv ist, Teil 2

Ob innerhalb der Familie, zwischen Eltern und den Lehrern ihrer Kinder oder zwischen Pädagogen und anderen Experten: Debatten über Schulnoten sind ein echtes Dauerthema. Und bei der Frage, ob und wie sinnvoll diese Form der Leistungsbewertung ist, wird es wohl so schnell keine Einigung geben.

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Warum Noten nicht überbewertet werden sollten und eine 4 eigentlich positiv ist, Teil 2

Aus diesem Grund schauen wir uns einmal unterschiedliche Aspekte von Schulnoten an und erklären, warum Noten nicht überbewertet werden sollten. Dabei haben wir in Teil 1 aufgezeigt, dass eine 4 eigentlich eine positive Note ist. Außerdem haben wir Noten als Momentaufnahme und als Motivationsfaktor beleuchtet.

Hier ist Teil 2!:

Noten als Vergleichsfaktor

Zensuren wurden um etwa 1900 eingeführt und seitdem wird über das Für und Wider gestritten. Ein Knackpunkt dabei ist die Objektivität. Selbst Experten sind sich darüber einig, dass die Leistungsbeurteilung nicht immer unbedingt objektiv ist.

Bei wissenschaftlichen Versuchen zeigte sich, dass mehrere Lehrer den gleichen Deutschaufsatz sehr unterschiedlich benoteten.

Während ihm einige Lehrer eine sehr gute oder gute Note gaben, bewerteten andere Lehrer den Aufsatz deutlich schlechter. Sogar im Fach Mathematik gingen die Benotungen teils sehr weit auseinander.

Dabei gibt es verschiedene Faktoren, die sich darauf auswirken, wie ein Lehrer die Leistungen des Schülers beurteilt. Neben der Tagesform kann zum Beispiel die Reihenfolge der korrigierten Arbeiten eine Rolle spielen. Hat der Lehrer zuvor mehrere schlechte Arbeiten korrigiert, wird er der nächsten Arbeit tendenziell eine bessere Note geben, obwohl sie strenggenommen nur mittelmäßig ist.

Waren die vorhergehenden Arbeiten gut, wird der Lehrer andersherum eher dazu neigen, eine mittelmäßige Arbeit etwas schlechter zu benoten.

Einfluss auf die Bewertung der Leistungen kann außerdem der Schüler selbst haben. Ruhige Schüler, die im Unterricht gut mitarbeiten, bekommen oft bessere Noten als laute Schüler, die öfter stören oder den Pausenclown spielen.

Selbst der Name kann Auswirkungen haben. Studien haben gezeigt, dass ein Kevin oder eine Chantal oft etwas schwächer eingeschätzt wird als ein Kind mit einem traditionellen Namen.

Wirklich gerecht sind Schulnoten also nicht immer. Trotzdem sind es sehr oft gar nicht so sehr die Lehrer, sondern die Eltern, die großen Wert auf eine Beurteilung mit Noten legen.

Denn die Schulnoten sind für die Eltern eine gute und einfache Möglichkeit, die Leistungen ihrer Kinder zu vergleichen und einzuordnen.

Ein anderes Argument vieler Eltern ist, dass Leistungen eben beurteilt werden. Das ist nicht nur in der Schule, sondern auch im Beruf und in allen anderen Bereichen ein Leben lang der Fall. Durch die Schulnoten lernen die Kinder schon früh, mit dem Druck durch die Leistungsbeurteilung und den Vergleichen mit anderen zurechtzukommen.

Einzelne Noten in der frühen Schulzeit interessieren zwar später niemanden mehr. Aber sie haben eben einen Lerneffekt für den Schüler. Tatsächlich ist auch dieses Argument nicht ganz von der Hand zu weisen.

Noten als Teil der Fehlerkultur

Eine alte Weisheit besagt, dass der Mensch aus Fehlern lernt. In der Tat zeigen Fehler und die damit verbundene schlechte Schulnote auf, wo der Schüler (noch) Lücken hat. Allerdings stellt sich der Lerneffekt nicht immer ein. Schreibt ein sonst guter Schüler eine schlechte Note, wird er sich die Fehler anschauen und versuchen, sie nicht mehr zu wiederholen.

Doch bei einem Schüler, der an schlechte Noten gewöhnt ist, wird der Plan nicht aufgehen. Dieser Schüler wird eher nicht aus den gemachten Fehlern lernen, sondern dazu neigen, die nächste schlechte Note zur Kenntnis zu nehmen und abzuhaken.

Hinzu kommt, dass hierzulande nur bedingt eine echte Fehlerkultur gelebt wird. Wer einen Fehler macht und scheitert, hat versagt. Dass jemand wieder aufgestanden ist und gerade an seinem Fehler gewachsen ist, wird nur selten gesehen.

Diese Haltung spiegelt sich schon in der Schule wider. Korrigiert der Lehrer eine Klassenarbeit, setzt er den Rotstift an den Fehlern an. Ein grüner Stift, der die gelungenen Punkte oder besonders gute Aspekte herausstreicht, kommt nicht zum Einsatz.

Außerdem sollte der entwicklungspsychologische Stand nicht außer Acht gelassen werden. Insbesondere jüngere Kinder können bei der Beurteilung der Leistungen oft noch nicht zwischen der Schulnote als Ziffer und sich selbst unterscheiden. Das führt dazu, dass sie ein „Ungenügend“ nicht auf ihre Kenntnisse im jeweiligen Schulfach, sondern auf sich selbst beziehen.

Frust kann dann eine Folge sein. Eine andere Folge kann darin bestehen, dass Kinder die Motivation und den Spaß am Lernen verlieren. Denn sie fokussieren sich nur noch darauf, ihre Noten zu verbessern.

Doch wer erfolgreich und stetig lernen möchte, muss vor allem neugierig auf neue Inhalte sein.

Noten nicht überbewerten!

Schulnoten haben gute und schlechte Seiten. Sie können nützlich und sinnvoll sein, aber auch viel Schaden anrichten. Doch am Ende bleibt Schülern, Eltern und Lehrern nichts anderes übrig, als sich mit dieser Form der Leistungsbewertung zu arrangieren.

Ratsam dabei ist, ruhig zu bleiben und die ganze Sache etwas gelassener zu sehen. Natürlich ist es schön, wenn ein Kind gute Noten hat. Aber die Welt geht nicht unter, wenn es schlechter läuft.

Am Ende sind Noten nur Ziffern, die nichts darüber aussagen, wie erfolgreich der Schüler im Beruf und generell im späteren Leben sein wird. Die Eltern sollten Noten also nicht überbewerten, sondern auf ihre Kinder vertrauen. Zumal eben auch eine 4 bedeutet, dass die Leistungen des Sprösslings ausreichen.

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Bernhard Staube, - Inhaber Agentur für Schülerhilfe, Sabine Menkemann, - Lehrkraft Deutsch/ Mathe, Matthias Kurz, - Pädagoge berufsbildene Schule, Canel Gülcan, Studentin Lehramt Germanistik / Religion, sowie Christian Gülcan, Unternehmer/ Inhaber Medienagentur, Arbeitgeber, Betreiber und Redakteur dieser Seite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zum Thema Bildung, Lernen, Schulen und Weiterbildung.

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