Infos und Fakten zum autoritären Erziehungsstil

Die wichtigsten Infos und Fakten zum autoritären Erziehungsstil 

Es gab kaum Zeiten, in denen die Themen Bildung und Erziehung so sehr im Fokus standen wie heute.

Im Fernsehen sind regelmäßig Familien zu sehen, die von einem harmonischen Zusammenleben weit entfernt und mit der Erziehung ihrer Kinder scheinbar überfordert sind, in den Regalen der Buchhandlungen und Bibliotheken reihen sich unzählige Erziehungsratgeber aneinander und in diversen Talkshows erklären Pädagogen, Eltern und allerlei andere Fachleute den sogenannten Erziehungsnotstand und äußern sich zu verschiedenen Erziehungskonzepten.

 

 

Angesichts dieser Informationsflut ist durchaus nachvollziehbar, dass einige Eltern zunehmend unsicher werden und sich fragen, ob es nicht doch sinnvoll wäre, gelegentlich härter durchzugreifen und etwas mehr Autorität an den Tag zu legen.

Der autoritäre Erziehungsstil in seiner ursprünglichen Form wurde in Deutschland seit den 1970er-Jahren zunehmend von liberalen Erziehungsmodellen abgelöst, in anderen Ländern der Welt wird die strenge Erziehung bis heute praktiziert. Nun wird sich so mancher aber vielleicht fragen, was sich denn eigentlich genau hinter einer autoritären Erziehung verbirgt.

 

 

Hier die wichtigsten Infos und Fakten zum autoritären Erziehungsstil in der Übersicht:  

 

Wie ist der autoritäre Erziehungsstil entstanden?

Der autoritäre Erziehungsstil entstand zu dem Zeitpunkt, als Eltern damit begannen, ihre Kinder selbst zu erziehen. Bis zum 18. Jahrhundert waren in den mittleren und höheren Gesellschaftsschichten Kindermädchen und andere Hausangestellte für die Erziehung der Kinder zuständig. Sie waren die Bezugspersonen der Kinder, während die Kinder zu ihren Eltern keine enge emotionale Bindung aufbauten.

Kinder wurden seinerzeit zudem wie kleine Erwachsene behandelt, die dazu angehalten waren, den Lebensabschnitt der Kindheit so schnell wie möglich zu überwinden. Erst nachdem es zu der sogenannten Entdeckung der Kindheit gekommen war, wurden Kinder ab Mitte des 18. Jahrhunderts als eigenständige Individuen mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen angesehen.

Die Eltern übernahmen die Erziehung ihrer Kinder nun selbst und erstmalig entwickelten sich engere, durchaus auch von Zuneigung geprägte Beziehungen zwischen Eltern und ihren Kindern. Allerdings war die Rollenverteilung innerhalb der Familien sehr klar. So waren die Eltern die unbestrittenen Autoritätspersonen, die die Bedürfnisse definierten und die Richtung vorgaben, während die Kinder schlichtweg zu gehorchen hatten.

Seinen Höhepunkt erreichte der autoritäre Erziehungsstil zu Zeiten des Deutschen Kaiserreiches. Die Gesellschaft war damals deutlich patriarchalisch und militaristisch ausgerichtet und dies zeigte sich auch im Erziehungsstil der Kinder. Fehlte es den Kindern an Gehorsam und mangelnder Bereitschaft zur Unterordnung, folgte die Züchtigung, wobei die Prügelstrafe als Erziehungsmittel von Eltern und Lehrern gleichermaßen angewandt wurde.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeigte sich durch die Reformpädagogik zwar ein erster Widerstand gegen den strengen, autoritären Erziehungsstil, bis weit in die 1960er-Jahre hinein war er in Familien und an Schulen jedoch weit verbreitet. Die Prügelstrafe wurde an deutschen Schulen erst im Jahre 1973 offiziell abgeschafft.   

 

Auf welchen Prinzipien basiert der autoritäre Erziehungsstil?

Zu den wesentlichen Prinzipien des autoritären Erziehungsstils gehören die Attribute, die bis heute vielfach als die typisch deutschen Tugenden gelten. Wesentliche Ziele waren somit Disziplin, Ordnung und Fleiß, aber auch Pünktlichkeit und Respekt vor Autoritäten.

Von den Kindern wurde erwartet, dass sie sich unterordnen und gehorchen, denn ein schlechtes Benehmen oder mangelhafte Leistungen zeugen von einem schlechten Elternhaus. Im Gegensatz zu liberalen oder demokratischen Erziehungsstilen spielt die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit bei einer autoritären Erziehung keine Rolle.

Die Prinzipien sehen also nicht vor, dass Kinder ihre eigene Meinung bilden und vertreten, ihre eigenen Interessen verfolgen oder selbstständig Erfahrungen sammeln.  

 

Wie wird der autoritäre Erziehungsstil praktiziert?

Der autoritäre Erziehungsstil basiert auf einer eindeutigen Verteilung der Rollen. Die Eltern haben die uneingeschränkte Autorität, legen die Regeln und Grenzen fest und richten die Erziehung anhand der Vorstellungen und Ziele aus, die aus ihrer Sicht richtig sind. Umgesetzt wird der autoritäre Erziehungsstil nach dem Prinzip der Belohnung und Bestrafung.

Gehorcht das Kind, passt es sich an, ist es diszipliniert und fleißig und respektiert es die Autoritätspersonen und deren Vorgaben, wird es belohnt, verstößt es gegen die Regeln und Grenzen, wird es bestraft. Autoritäre Eltern erklären ihre Entscheidungen nicht und versuchen nicht, ihr Kind zu überzeugen, indem sie auf seine Einsicht oder Vernunft setzen. Im Gegenzug sind es aber auch die Eltern, die die alleinige Verantwortung für die getroffenen Entscheidungen übernehmen. Autoritär erzogene Kinder hinterfragen die Anordnungen und Verbote ihrer Eltern nicht, sondern ordnen sich gehorsam unter.

Insgesamt zeichnet der autoritäre Erziehungsstil dadurch ein zweigeteiltes Bild. Einerseits fühlen sich die Kinder durch die Erwartungshaltung ihrer Eltern ständig unter Druck gesetzt, was dazu führt, dass sie Autoritätspersonen zwar respektieren, gleichzeitig aber auch ein Stück weit fürchten und permanent um deren Anerkennung und Zuneigung kämpfen.

Andererseits fühlen sich autoritär erzogene Kinder beschützt, weil die klaren Regeln und Grenzen Halt und Sicherheit geben und die Kinder wissen, dass von ihnen weder erwartet wird, dass sie selbst Entscheidungen treffen noch dass sie die Verantwortung dafür übernehmen. 

 

Mit welchen Mitteln arbeitet der autoritäre Erziehungsstil?

Der autoritäre Erziehungsstil arbeitet mit Belohnungen und Bestrafungen. Verhält sich das Kind wie von den Eltern gewünscht, wird es mit Lob, Anerkennung und Liebe belohnt, aber auch materielle Belohungen sind möglich. Verstößt es hingegen gegen die Regeln, wirken die Eltern einem solchen Verhalten mit Strafen entgegen.

Bei den Strafen kann es sich um eine Ermahnung oder eine Rüge handeln, aber auch um Maßnahmen wie Hausarrest, diverse Verbote wie Fernsehverbot, Streichen des Taschengeldes oder Liebesentzug. Früher waren zudem körperliche Züchtigungen wie Ohrfeigen und Schläge auf das Gesäß oder in der Schule mit dem Rohrstock auf die Hände weit verbreitete Erziehungsmittel.    

 

Was sind die größten Kritikpunkte am autoritären Erziehungsstil?

Der größte Kritikpunkt am autoritären Erziehungsstil ist die massiv eingeschränkte Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit. Es wird kritisiert, dass autoritär erzogene Kinder zwar Regeln und Anweisungen befolgen, dies aber aus einer unterwürfigen Position heraus. Sie würden also nicht lernen, ihre eigene Meinung zu bilden und zu vertreten, eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Dadurch könnten sich Eigenschaften wie Selbstständigkeit und Kreativität, aber auch Konfliktfähigkeit und Durchsetzungsvermögen nicht entwickeln.

Die ständige Angst vor den teils rüden Strafmaßnahmen führe im Zusammenspiel mit dem Erfolgsdruck außerdem zu Frust und einem höheren Aggressionspotenzial, weil autoritär erzogene Kinder insbesondere jüngeren und schwächeren Personen gegenüber die Rolle als Autoritätspersonen imitieren. Während in Ländern wie beispielsweise Russland oder China der autoritäre Erziehungsstil nach wie vor praktiziert wird, wurde er in Deutschland in den 1970er-Jahren allmählich durch andere Modelle abgelöst.

Nachdem zeitweise eine antiautoritäre Erziehung praktiziert wurde, sind sich Eltern, Pädagogen und auch die Politik weitestgehend einig, dass Kinder Regeln und Grenzen brauchen. Insofern hat sich ein demokratischer Erziehungsstil etabliert, der zwar Regeln und Grenzen setzt, aber gleichzeitig die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder respektiert und die Entwicklung von selbstständigen Persönlichkeiten mit eigenen Meinungen fördert.

Vor dem Hintergrund der steigenden Gewaltbereitschaft von Jugendlichen und der aktuellen Bildungssituation werden nun aber wieder zunehmend Stimmen laut, die strengere Regeln, klarere hierarchische Strukturen, engere Grenzen und Strafen mit höherem Abschreckungspotenzial bei Regelverstößen fordern.

Von vielen Pädagogen, Eltern und auch Politikern wird eine Rückkehr zu einem autoritären Erziehungsstil, wenn auch in deutlich gemäßigter Form, abgelehnt. In der Wirtschaft und Industrie wird der hier weit verbreitete autoritäre Führungsstil hingegen eher selten hinterfragt. 

 

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