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Ganztagesschule – Pro & Contra 

Während Ganztagesschulen in anderen Ländern völlig normal sind, befindet sich das Angebot in Deutschland noch im Aufbau. Und die Meinungen zu ganztägigen Schulen sind zweigeteilt. 

Ganztagesschulen gibt es inzwischen bundesweit. In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Anzahl der Schulen mit ganztätigen Angeboten nahezu verdreifacht. Schon jetzt stehen in gut der Hälfte aller Schulen Ganztagesangebote zur Verfügung, wenn auch mit unterschiedlichen Konzepten. In den kommenden Jahren soll die Anzahl noch weiter ausgebaut werden. Doch auch wenn es viele Befürworter gibt, können sich längst nicht alle Eltern für Ganztagesschulen begeistern.

 

Die Idee hinter der Ganztagesschule

Das erklärte Ziel von Ganztagesschulen ist die Chancengleichheit. Der soziale Hintergrund der Schüler, der vom gesellschaftlichen Status und dem Bildungsstand der Eltern beeinflusst wird, soll sich weit weniger auf den schulischen Erfolg auswirken, als dies bei Halbtagesschulen der Fall ist.

Dies wird unter anderem dadurch umgesetzt, dass die Schüler ihre Hausaufgaben in der Schule erledigen, meist unter Aufsicht von Fachkräften. Außerdem können die Schüler nachmittags an verschiedenen Kursen und Workshops teilnehmen. Ein gemeinsames Mittagessen gibt es ebenfalls. Durch die längere Zeit, die Schüler und Lehrer miteinander verbringen, soll es möglich werden, die Schüler besser individuell zu fördern.   

Ein weiterer Aspekt ist, dass Ganztagesschulen dabei helfen, den Beruf und die Familie besser unter einen Hut zu bekommen. Die Schüler sind tagsüber gut versorgt. Die Eltern können ihrer Berufstätigkeit nachgehen, ohne sich um die Betreuung Sorgen machen zu müssen. Wenn alle nach Hause kommen, kann der Rest des Tages für gemeinsame Familienaktivitäten genutzt werden. 

 

Die Konzepte der Ganztagesschulen

Damit sich eine Schule Ganztagesschule nennen darf, müssen zunächst einmal drei grundlegende Kriterien erfüllt sein:

1.       Die Schule bietet an mindestens drei Wochentagen eine Schulzeit an, die sich aus Unterricht und Freizeitbetreuung zusammensetzt. Diese Schulzeit muss einen Umfang von mindestens sieben Stunden haben, wobei mit Stunden Zeitstunden à 60 Minuten und nicht Schulstunden gemeint sind.

2.       Die Schüler können an allen Wochentagen in der Schule zu Mittag essen.

3.       Nach dem Schulunterricht stehen Kurse, Workshops und andere Nachmittagsangebote zur Verfügung, die unter Aufsicht stattfinden und entweder von der Schule selbst oder von Kooperationspartnern durchgeführt werden.

Schulen mit ganztätigen Angeboten arbeiten mit unterschiedlichen Konzepten. Grundsätzlich lassen sich die Konzepte aber in zwei große Gruppen unterscheiden, nämlich in gebundene und in offene Angebote.

·         In einer gebundenen Ganztagesschule müssen die Schüler das Nachmittagsangebot wahrnehmen. Die Teilnahme am Nachmittagsangebot ist also genauso Pflicht wie die Teilnahme am Unterricht.

·         In einer offenen Ganztagesschule erfolgt die Teilnahme am Nachmittagsangebot freiwillig. Ist der verpflichtende Schulunterricht zu Ende, können die Schüler das Nachmittagsangebot also entweder nutzen oder nach Hause gehen.

 

Ganztagesschule – Pro & Contra

Während Privatschulen fasst immer Ganztagesschulen sind, ziehen die staatlichen Schulen erst seit ein paar Jahren mit ganztätigen Angeboten nach. Doch auch hier ist das Angebot inzwischen recht groß. Und Befürworter der Ganztagesschule sehen diese Entwicklung mit Freude. Immerhin gibt es einige Argumente, die klar für die Ganztagesschule sprechen:

·         In einer Ganztagesschule kann eine individuelle Förderung besser umgesetzt werden. Da die Schüler mehr Zeit in der Schule verbringen, lernen sich Schüler und Lehrer besser kennenlernen. Dies gilt nicht nur für den Unterricht, sondern auch für die Aktivitäten am Nachmittag. Die Lehrer erhalten so ein besseres Bild von den Eigenheiten des jeweiligen Kindes und können besser einschätzen, wo es gezielte Förderung braucht.

·         In einer Ganztagesschule ist es eher möglich, allen Schülern die gleichen Chancen auf Bildung zu geben. Vor allem Schüler mit einem schwierigeren sozialen Hintergrund profitieren davon. Denn sie sind in einer Halbtagesschule oft im Nachteil, wenn ihnen die Eltern bei den Hausaufgaben nicht helfen können oder die finanziellen Mittel für Nachhilfe fehlen. In einer Ganztagesschule stellt sich die Problematik nicht, weil die Kids hier ihre Hausaufgaben unter fachkundiger Aufsicht erledigen und nachmittags an Kursen teilnehmen können. 

·         In einer Ganztagesschule werden die sozialen Kompetenzen gefördert. Weil die Schüler einen Großteil ihrer Freizeit in der Schule verbringen, gemeinsam lernen und gemeinsam zu Mittag essen, entstehen oft tiefere Bindungen. Die Schüler lernen, miteinander umzugehen und sich gegenseitig zu unterstützen. Gleichzeitig bleibt mehr Zeit, um Konflikte aufzugreifen und aufzulösen.

·         Eine Ganztagesschule entlastet die Eltern. Wenn die Schüler nach Hause kommen, haben sie eine warme Mahlzeit im Bauch und die Hausaufgaben sind gemacht. Der Rest des Tages steht zur freien Verfügung und diese Zeit kann als Familienzeit genutzt werden.

Eine Ganztagesschule wird nicht allein durch ein Ganztagesangebot zu einer guten oder gar einer besseren Schule. Entscheidend ist vielmehr, welches pädagogische Konzept die Schule hat und wie sie es umsetzt. Individuelle Förderung, gemeinsame Mahlzeiten und Nachmittagsangebote sind zweifelsohne Dinge, von denen viele Kinder profitieren.

Aber es gibt auch Argumente, die gegen die Ganztagesschule sprechen:

·         Die Kinder verbringen einen Großteil ihrer Zeit in der Schule. Dort besuchen sie nicht nur den Unterricht, sondern nehmen auch an zahlreichen anderen Aktivitäten teil. Viele Aufgaben, die sonst die Eltern übernehmen, verbleiben so im Verantwortungsbereich der Schule. Die Mahlzeiten oder die Kontrolle der Lernfortschritte durch die Hausaufgaben sind Beispiele dafür. Eine Folge davon ist, dass der Einfluss der Eltern auf die Entwicklung ihrer Kinder schwindet.

·         Kontakte und Freundschaften beschränken sich oft auf Mitschüler. Aktivitäten außerhalb der Schule, etwa die Mitgliedschaft in einem Sportverein oder Treffen mit Kindern aus der Nachbarschaft, gestalten sich schwierig. Denn wenn die Kinder aus der Ganztagesschule nach Hause kommen, ist bereits früher Abend.

Eine Ganztagesschule ist nicht ganz kostenfrei. So muss beispielsweise das Mittagessen bezahlt werden. Die Kosten sind zwar nicht allzu hoch und einkommensschwache Familien können über das Bildungspaket einen Zuschuss bekommen. Trotzdem können die Kosten zur finanziellen Belastung werden. Vor allem bei Trägern von privaten Ganztagesschulen wird außerdem oft Schulgeld fällig.

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