Die wichtigsten Infos zu Montessori-Schulen auf einen Blick 

Das pädagogische Konzept von Montessori-Schulen geht auf die Ärztin und Erziehungswissenschaftlerin Maria Montessori zurück, die von 1870 bis 1952 in Italien, Spanien, Indien und Holland lebte.

Sie legte die Annahme zugrunde, dass Kinder von sich aus neugierig sind und lernen möchten. Druck oder Zwang sind dabei überflüssig, aber da jedes Kind anders lernt, stellt die Pädagogik nach Montessori das Kind und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt.

 

 

Weltweit gibt es über 40.000 Montessori-Schulen, in Deutschland sind es etwa 400, aufgeteilt in rund 300 Grundschulen und 100 weiterführende Schulen. Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Bildungsdebatte scheinen Eltern, Lehrer und Politiker die Montessori-Pädagogik, die mittlerweile über 100 Jahre alt ist, nun wiederzuentdecken.

So wurden in den letzten 15 Jahren so viele Montessori-Schulen gegründet wie noch nie und auch in den Regelschulen insbesondere im Grundschulbereich wurden mittlerweile viele der pädagogischen Ansätze nach Montessori in die Bildungskonzepte aufgenommen.

 

 

Hier nun die wichtigsten Infos zu Montessori-Schulen auf einen Blick:

 

Das Konzept der Montessori-Pädagogik

Die Basis für die Montessori-Pädagogik bildet die Annahme, dass jedes Kind von sich aus neugierig, motiviert und daran interessiert ist, Neues zu lernen. Allerdings lernt jedes Kind auf seine Art und Weise und in seinem Tempo. Aus diesem Grund entwickelte Montessori das Prinzip der Freiarbeit. Freiarbeit bedeutet, dass die Schüler diejenigen sind, die darüber entscheiden, mit welchem Thema sie sich wie lange beschäftigen und in welchem Tempo sie daran arbeiten.

Die Funktion der Lehrer besteht darin, die Schüler zu beobachten und sie zu unterstützen, in die Lernprozesse selbst greifen sie jedoch kaum ein. Daneben gehört es zum Konzept, dass die Kinder in altersgemischten Klassen in einer auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmten Lernumgebung lernen. Die Lernprozesse werden in Form von Arbeitsergebnissen dokumentiert. 

 

Der Unterricht an Montessori-Schulen

Die Schulzeit gliedert sich an den meisten Montessori-Schulen in zwei Phasen, nämlich zum einen in den Unterricht im Klassenverband und zum anderen in die Freiarbeit. Während der Freiarbeitsphasen stellen die Lehrer den Schülern unterschiedliche, auf den Entwicklungszustand abgestimmte Aufgaben und Unterrichtsmaterialien zur Verfügung.

Viele der Arbeitsmaterialien, die bis heute in den Grundschulen eingesetzt werden, hat Montessori dabei selbst erarbeitet. Hierzu gehören beispielsweise Perlen, um den Umgang mit Zahlen zu lernen, oder auch Farbtafeln, durch die die Kinder lernen, Farben zu benennen und voneinander zu unterscheiden. Jeder Schüler wählt eine Aufgabe aus und entscheidet selbst darüber, wie lange er sich damit beschäftigen und ob er alleine oder lieber in der Gruppe daran arbeiten möchte.

Der Lehrer begleitet die Lernprozesse in erster Linie als Beobachter. Das bedeutet, er lässt die Kinder selbstständig lernen und greift nur bei Fragen oder Problemen unterstützend ein. Gleichzeitig achtet er darauf, dass sich die Kinder nicht nur einseitig mit einer Aufgabe beschäftigen, sondern sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums mit allen Aspekten des Lernbereiches auseinandersetzen. Der Lernstoff, den es zu behandeln gilt, ist in Wochen- oder Monatsplänen erfasst.

Diese Plänen dienen einerseits als Hilfestellung und zur Orientierung und sollen andererseits motivieren.  

 

Die Träger von Montessori-Schulen

Bei 60 Prozent der Montessori-Schulen in Deutschland handelt es sich um staatlich anerkannte Privatschulen, die Finanzierung übernehmen freie Träger wie Kirchen oder Elterninitiativen. An diesen Schulen zahlen die Eltern Schulgeld, das je nach Bundesland unterschiedlich hoch ausfällt.

Zusätzlich dazu fallen an einigen Schulen eine einmalige Aufnahmegebühr oder Jahresbeiträge an. Die übrigen 40 Prozent der Schulen werden von öffentlichen Trägern finanziert.

Hier wird kein Schulgeld erhoben und der einzige Unterschied zu Regelschulen ergibt sich durch die Gestaltung des Unterrichts. Viele dieser Schulen, die meist in städtischer Trägerschaft sind, sind jedoch keine reinen Montessori-Schulen, sondern Regelschulen mit einem eigenständigen Montessori-Zweig. 

 

Die Lehrpläne, die Zeugnisse und die Noten

Eine der Grundideen der Montessori-Pädagogik ist, dass Kinder von sich aus lernen möchten und insofern weder Druck noch Zwang ausgeübt werden sollten. Eine Bewertung der Leistungen durch Noten würde diesem Konzept widersprechen, weshalb es an Montessori-Schulen keine Noten gibt. Dennoch erhalten die Schüler am Ende jedes Schulhalbjahres Zeugnisse. Hierbei handelt es sich um Berichte, die detailliert über die Entwicklungen und Lernprozesse informieren.

Zudem finden in regelmäßigen Abständen persönliche Konferenzen statt, in denen die Schüler, die Eltern und die Lehrer die Arbeitsergebnisse und Lernfortschritte besprechen und gemeinsam beurteilen. Dieses Konzept ist auch an weiterführenden Montessori-Schulen üblich und die Berichtszeugnisse werden meist erst ab der achten Klasse durch Noten ersetzt.Da Montessori-Schulen staatlich anerkannte Schulen sind, sind auch für sie die Richtlinien und Lehrpläne des jeweiligen Bundeslandes verbindlich. Der Unterschied zu Regelschulen ergibt sich jedoch daraus, wie die vorgegebenen Bildungsziele erreicht werden.

Anders als an Regelschulen erreichen die Schüler die Ziele aus den Lehrplänen nicht alle gemeinsam im Klassenverband zur gleichen Zeit, sondern je nach Fähigkeiten und Entwicklungszustand im Laufe ihrer Schulzeit. Daher gibt es an Montessori-Schulen häufig Lehrpläne, die für eine Klasse oder individuell für einen Schüler erstellt werden und auf die Bedürfnisse der Schüler abgestimmt sind. Dennoch ist sichergestellt, dass die Schüler zum Ende der Schulzeit das gleiche Leistungs- und Bildungsniveau mitbringen wie Schüler an Regelschulen.

Weiterführende Montessori-Schulen sind dabei so ausgelegt, dass die Schüler den Hauptschulabschluss, die Mittleren Reife oder das Abitur erwerben können, wobei die Abschlussprüfungen teilweise extern abgelegt werden müssen. Beim Großteil der Montessori-Schulen in Deutschland handelt es sich jedoch um Grundschulen. Viele Eltern fragen sich dann, ob sich ihr Kind an einer Regelschule zurechtfinden wird, wenn es gewohnt ist, frei und selbstbestimmt zu lernen.

In der Praxis sind solche Bedenken oft unbegründet, denn Montessori-Schüler entwickeln neben den vom Lehrplan geforderten Kenntnissen auch zahlreiche soziale und persönliche Kompetenzen, die bei der Eingewöhnung vorteilhaft zum Tragen kommen. Dennoch kann es eine Weile dauern, bis sich die Kinder an die Noten, die neuen Unterrichtsmethoden und an die unpersönlichere Atmosphäre gewöhnt haben.  

 

Die Aufnahmebedingungen, die Eltern und die Lehrer

Grundsätzlich kann jedes Kind, das schulpflichtig ist, auch eine Montessori-Schule besuchen. Allerdings arbeiten die Schulen mit verschiedenen Aufnahmebedingungen und Aufnahmeverfahren. Während einige Schulen beispielsweise ein Gespräch mit den Eltern und den Kindern führen, entscheiden andere Schulen anhand von schriftlichen Bewerbungsunterlagen.

Die endgültige Entscheidung trifft dann an allen Schulen ein Gremium aus Pädagogen. Ein wesentlicher Bestandteil der Montessori-Pädagogik ist außerdem die enge Zusammenarbeit mit den Eltern. So wird erwartet, dass sich die Eltern mit dem Konzept beschäftigen und sich aktiv am Schulleben beteiligen. An vielen Schulen leisten die Eltern dabei eine bestimmte Anzahl an Arbeitsstunden pro Monat ab.

Die Aufgaben, die die Eltern in diesem Zuge übernehmen, können beispielsweise in der Mitarbeit an Projekten, in der Anfertigung von Schulmaterialien, in der Organisation von Ausflügen und Schulfesten oder auch in Putzdiensten bestehen. Die Lehrer an Montessori-Schulen haben neben dem Lehramtsstudium eine sogenannte Montessori-Ausbildung absolviert.

Diese wird von Einrichtungen der Erwachsenenbildung durchgeführt, dauert zwischen einem und zwei Jahren und findet für die Primarstufe als Diplomlehrgang und für die Sekundarstufe als Zertifikatskurs statt. Die Lehrkräfte lernen während der Zusatzausbildung die theoretischen und praktischen Grundlagen der Montessori-Pädagogik, der praktische Ausbildungsteil erfolgt in anerkannten Montessori-Einrichtungen.  

 

Montessori- vs. Waldorf-Schulen

Auch wenn es sich bei beiden Schularten um alternative Schularten handelt und beide der Reformpädagogik angehören, gibt es erhebliche Unterschiede. So sind beispielsweise altersgemischte Klassen, eine alters- und entwicklungsgerechte Lernumgebung sowie Frei- und Gruppenarbeit grundlegende Elemente der Montessori-Pädagogik.

Die Waldorf-Pädagogik lehnt diese aber ab. Auch die Rolle der Lehrer weist erhebliche Unterschiede auf. An Montessori-Schulen sind Lehrer in erster Linie beobachtend und unterstützend tätig, während sie an Waldorf-Schulen zentrale Autoritätsfiguren sind, die die Schüler als Klassenlehrer acht Jahre lang begleiten und den Unterricht maßgeblich bestimmen.

Zudem wird der Umgang mit den staatlichen Lehrplänen unterschiedlich gehandhabt. Montessori-Schulen arbeiten mit den Lehrplänen, Waldorfschulen hingegen arbeiten mit eigenen Lehrplänen, die über die staatlichen Lehrpläne hinausgehen. 

 

Weiterführende Ratgeber zu Bildung, Lernen und Förderung:

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